Tautliner: Aufbau, Beladung und Ladungssicherung
Tautliner (Curtainsider): Aufbau mit Schiebeplanen und Spanngurten, seitliche Beladung, Ladungssicherung nach EN 12642 und Abgrenzung.
Tautliner (Curtainsider): Aufbau mit Schiebeplanen und Spanngurten, seitliche Beladung, Ladungssicherung nach EN 12642 und Abgrenzung.
Ein Tautliner ist ein Lkw-Aufbau oder Sattelauflieger mit seitlichen Schiebeplanen, die sich wie ein Vorhang öffnen lassen. Die Planen werden mit Spanngurten am Rahmen gespannt. Tautliner, auch Curtainsider oder Gardinenplanenauflieger genannt, lassen sich von hinten, von der Seite und mit Schiebeverdeck auch von oben beladen.
Ein Tautliner ist ein Planenaufbau, bei dem die Seitenplanen an einer Laufschiene unter dem Dach hängen und sich zur Seite schieben lassen. Der Name kommt aus dem Englischen: „taut“ bedeutet straff gespannt. Heute steht er allgemein für diese Bauart. Gleichbedeutend sind Curtainsider, Schiebeplanenauflieger und Gardinenplanenauflieger. Tautliner gibt es als Sattelauflieger, als Aufbau auf Motorwagen und Anhänger eines Gliederzugs und als Wechselbrücke.
Vom klassischen Planenauflieger mit Bordwänden und Spriegeln unterscheidet sich der Tautliner dadurch, dass die Seite ohne Abbau von Latten und Plane frei wird. Ein Kofferaufbau hat dagegen feste Wände und wird über das Heck oder über eingebaute Seitentüren beladen. Das Edscha-Verdeck ist kein eigener Aufbautyp, sondern ein Schiebeverdeck für das Dach, das mit einem Tautliner kombiniert sein kann.
Der wichtigste Vorteil ist der schnelle Zugriff von der Seite. Beim Öffnen werden Gurte gelöst, die Spannung entlastet und die Plane zur Seite geschoben. Danach ist die Seitenbeladung mit dem Gabelstapler über die ganze Länge möglich, auch dort, wo keine Rampe vorhanden ist. Das erleichtert Touren mit mehreren Abladestellen und Teilladungen, weil jede Palette direkt erreichbar ist. Mit Schiebeverdeck kann zusätzlich per Kran von oben geladen werden. Für Stahlrollen gibt es Tautliner mit eingelassener Mulde, siehe Coil-Transport.
Dem stehen Nachteile gegenüber. Die Plane schützt nicht gegen Temperatur und lässt sich leicht aufschneiden, was Diebstahl erleichtert. Vor jeder Fahrt muss sie korrekt gespannt werden. Vor allem trägt die Plane bei Standardaufbauten nicht zur Ladungssicherung bei.
Nach § 22 StVO muss Ladung so verstaut und gesichert sein, dass sie auch bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht, umfällt oder herabfällt. Nach § 412 HGB ist grundsätzlich der Absender für die beförderungssichere Verladung zuständig, der Frachtführer für die betriebssichere Verladung. Der Fahrer muss die Sicherung vor Fahrtantritt prüfen.
Beim Tautliner in Standardausführung gilt die Plane nicht als Sicherungsmittel. Die Ladung wird formschlüssig an die Stirnwand gestellt, niedergezurrt oder mit Sperrstangen und Antirutschmatten gesichert. Eine Ausnahme bilden Aufbauten, die nach DIN EN 12642 in der verstärkten Ausführung Code XL geprüft sind. Bei ihnen kann der Aufbau einschließlich Plane einen Teil der Sicherung übernehmen, wenn die Ladung lückenlos formschlüssig steht und die Bedingungen des Prüfzertifikats eingehalten sind. Aufbauten nach Code L bieten diese Möglichkeit für die Seitenplane nicht. Ist die Plane beschädigt, kann die Wirkung des Zertifikats entfallen.
Eine Spedition liefert mit einem Tautliner-Sattelzug Baustoffe an drei Händler. Im Transportauftrag ist vermerkt, dass an zwei Stellen seitlich entladen wird, weil dort keine Rampe vorhanden ist. Die Ladung wird in umgekehrter Reihenfolge der Abladestellen verladen. An jeder Station öffnet der Fahrer die Plane auf der benötigten Länge, der Empfänger entlädt per Stapler. Danach muss der Fahrer die verbleibende Ladung neu sichern, bevor er die Plane schließt, denn durch die Teilentladung entstehen Lücken. Die Fahrzeuganforderung „Tautliner“ oder „seitlich entladbar“ gehört deshalb in die Auftragserfassung.
Es gibt keinen technischen Unterschied. Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Bauart mit seitlichen Schiebeplanen.
Die Zahl ergibt sich aus Ladelänge und Innenbreite des Aufbaus und den Maßen der Europalette von 1.200 × 800 mm. Bei Tautlinern auf Gliederzügen oder Wechselbrücken hängt die Zahl von der Länge der einzelnen Aufbauten ab.
Code XL bezeichnet einen nach DIN EN 12642 geprüften, verstärkten Aufbau. Er darf bei formschlüssiger Beladung einen Teil der Ladungssicherung übernehmen. Maßgeblich sind die Bedingungen im Prüfzertifikat des jeweiligen Fahrzeugs.