ABC-Analyse: Klassen, Durchführung und XYZ-Analyse
ABC-Analyse in der Logistik: Einteilung in A-, B- und C-Artikel, Durchführung Schritt für Schritt, XYZ-Analyse und kombinierte ABC-XYZ-Matrix.
ABC-Analyse in der Logistik: Einteilung in A-, B- und C-Artikel, Durchführung Schritt für Schritt, XYZ-Analyse und kombinierte ABC-XYZ-Matrix.
Die ABC-Analyse ist ein Verfahren, das Artikel, Kunden oder Lieferanten nach ihrem Anteil am Gesamtwert in drei Klassen einteilt. A-Artikel sind wenige Positionen mit hohem Wertanteil, C-Artikel viele Positionen mit geringem Wertanteil. In der Logistik dient sie zur Priorisierung von Beschaffung, Bestandsführung und Lagerplatzvergabe.
Die ABC-Analyse ist ein Verfahren der Materialwirtschaft, das Objekte nach ihrem Anteil an einer Gesamtgröße in drei Klassen einteilt. Meist sind die Objekte Artikel und die Gesamtgröße ist der Verbrauchs- oder Umsatzwert eines Zeitraums. Ebenso lassen sich Kunden, Lieferanten oder Relationen klassifizieren. Grundlage ist die Beobachtung, dass sich Werte oft ungleich verteilen: Wenige Positionen machen einen großen Teil des Gesamtwerts aus, viele Positionen nur einen kleinen. Diese Beobachtung wird häufig als Pareto-Prinzip bezeichnet.
Ziel ist, Aufmerksamkeit und Aufwand dort einzusetzen, wo sie wirtschaftlich am meisten bewirken. Für die Logistik ist sie Grundlage für Bestandsmanagement, Beschaffung und Lagerorganisation.
Grafisch wird das Ergebnis als Konzentrationskurve (Lorenzkurve) dargestellt: kumulierter Mengenanteil auf der einen, kumulierter Wertanteil auf der anderen Achse. Je stärker die Kurve gekrümmt ist, desto ungleicher sind die Werte verteilt.
Feste, vorgeschriebene Grenzen gibt es nicht. Welcher Mengenanteil sich aus den gewählten Wertgrenzen ergibt, hängt vom Sortiment ab. Auf die A-Klasse entfällt dabei ein kleiner Teil der Positionen, auf die C-Klasse die Mehrheit. Jedes Unternehmen legt die Grenzen selbst fest und sollte sie über die Zeit beibehalten, damit Ergebnisse vergleichbar bleiben.
Die XYZ-Analyse ergänzt die ABC-Analyse um die Regelmäßigkeit des Verbrauchs. Sie teilt Artikel danach ein, wie stark ihr Bedarf von Periode zu Periode schwankt und wie gut er sich vorhersagen lässt. Gemessen wird das meist mit dem Variationskoeffizienten: Standardabweichung des Verbrauchs geteilt durch den durchschnittlichen Verbrauch je Periode.
Auch hier sind die Klassengrenzen nicht festgelegt. In der Literatur finden sich unterschiedliche Grenzwerte für den Variationskoeffizienten.
Die ABC-XYZ-Analyse verbindet beide Einteilungen zu einer Matrix mit neun Feldern von AX bis CZ. Jedes Feld legt eine passende Dispositionsstrategie nahe:
Die übrigen Felder liegen dazwischen. Die Matrix liefert zudem Hinweise für die optimale Bestellmenge und die Höhe von Sicherheitsbeständen.
Im Lager wird die ABC-Analyse oft nicht nach Wert, sondern nach Zugriffshäufigkeit erstellt. Schnelldreher kommen auf Plätze mit kurzen Wegen nahe der Kommissionierzone, Langsamdreher in entferntere Bereiche. Bei der chaotischen Lagerhaltung nutzt das Lagerverwaltungssystem diese Einteilung für die Platzwahl. Außerdem werden A-Artikel bei der permanenten Inventur häufiger gezählt.
In Speditionen dient die ABC-Analyse vor allem zur Einteilung von Kunden nach Umsatz oder Sendungsaufkommen. So lässt sich erkennen, auf welche Kunden ein großer Teil des Geschäfts entfällt und wo Betreuung und Abstimmung von Prozessen am meisten bewirken.
Die ABC-Analyse ist einfach durchzuführen, mit Tabellenkalkulation ohne Spezialsoftware möglich und gut verständlich. Ihre Grenzen: Sie blickt nur auf vergangene Daten, betrachtet nur ein Kriterium und setzt Klassengrenzen nach Ermessen. Sie berücksichtigt auch nicht, wie kritisch ein Artikel ist. Ein günstiges C-Teil kann eine Produktion stoppen, wenn es fehlt. Deshalb wird sie oft mit der XYZ-Analyse oder weiteren Kriterien kombiniert.
Die ABC-Analyse teilt Artikel nach ihrem Wertanteil ein, die XYZ-Analyse nach der Regelmäßigkeit ihres Verbrauchs. Die eine zeigt, wie wichtig ein Artikel wirtschaftlich ist, die andere, wie gut sich sein Bedarf planen lässt. Kombiniert ergeben beide die ABC-XYZ-Matrix.
Das Pareto-Prinzip, auch 80-20-Regel genannt, beschreibt die Erfahrung, dass ein kleiner Teil der Ursachen einen großen Teil der Wirkung erzeugt. In der Materialwirtschaft heißt das: Wenige Artikel machen oft einen großen Teil des Verbrauchswerts aus. Die Zahlen 80 und 20 sind dabei eine Faustregel, kein festes Verhältnis.
Pro Artikel werden Menge und Preis erfasst und der Wert als Produkt berechnet. Die Liste wird absteigend nach Wert sortiert, dann werden Anteil am Gesamtwert und kumulierter Anteil berechnet. Eine WENN-Formel ordnet jede Zeile anhand der gewählten Grenzwerte der Klasse A, B oder C zu.
Da sich Sortiment und Nachfrage ändern, sollte sie in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden, etwa jährlich oder bei größeren Sortimentsänderungen. In Lagerverwaltungssystemen lässt sie sich auch laufend berechnen, damit die Lagerplatzvergabe aktuell bleibt.