Logistik lexikon

ABC-Analyse: Klassen, Durchführung und XYZ-Analyse

ABC-Analyse in der Logistik: Einteilung in A-, B- und C-Artikel, Durchführung Schritt für Schritt, XYZ-Analyse und kombinierte ABC-XYZ-Matrix.

Die ABC-Analyse ist ein Verfahren, das Artikel, Kunden oder Lieferanten nach ihrem Anteil am Gesamtwert in drei Klassen einteilt. A-Artikel sind wenige Positionen mit hohem Wertanteil, C-Artikel viele Positionen mit geringem Wertanteil. In der Logistik dient sie zur Priorisierung von Beschaffung, Bestandsführung und Lagerplatzvergabe.

Was ist eine ABC-Analyse?

Die ABC-Analyse ist ein Verfahren der Materialwirtschaft, das Objekte nach ihrem Anteil an einer Gesamtgröße in drei Klassen einteilt. Meist sind die Objekte Artikel und die Gesamtgröße ist der Verbrauchs- oder Umsatzwert eines Zeitraums. Ebenso lassen sich Kunden, Lieferanten oder Relationen klassifizieren. Grundlage ist die Beobachtung, dass sich Werte oft ungleich verteilen: Wenige Positionen machen einen großen Teil des Gesamtwerts aus, viele Positionen nur einen kleinen. Diese Beobachtung wird häufig als Pareto-Prinzip bezeichnet.

  • A-Artikel: wenige Positionen mit hohem Wertanteil
  • B-Artikel: mittlerer Wert- und Mengenanteil
  • C-Artikel: viele Positionen mit geringem Wertanteil

Ziel ist, Aufmerksamkeit und Aufwand dort einzusetzen, wo sie wirtschaftlich am meisten bewirken. Für die Logistik ist sie Grundlage für Bestandsmanagement, Beschaffung und Lagerorganisation.

Wie wird eine ABC-Analyse durchgeführt?

  1. Zeitraum und Bezugsgröße festlegen, zum Beispiel den Jahresverbrauchswert oder die Zahl der Zugriffe.
  2. Für jede Position den Wert berechnen: Verbrauchsmenge mal Preis je Einheit.
  3. Alle Positionen absteigend nach diesem Wert sortieren.
  4. Für jede Position den Anteil am Gesamtwert und den kumulierten Anteil berechnen.
  5. Klassengrenzen festlegen und jede Position der Klasse A, B oder C zuordnen.

Grafisch wird das Ergebnis als Konzentrationskurve (Lorenzkurve) dargestellt: kumulierter Mengenanteil auf der einen, kumulierter Wertanteil auf der anderen Achse. Je stärker die Kurve gekrümmt ist, desto ungleicher sind die Werte verteilt.

Welche Grenzen gelten für A-, B- und C-Artikel?

Feste, vorgeschriebene Grenzen gibt es nicht. Welcher Mengenanteil sich aus den gewählten Wertgrenzen ergibt, hängt vom Sortiment ab. Auf die A-Klasse entfällt dabei ein kleiner Teil der Positionen, auf die C-Klasse die Mehrheit. Jedes Unternehmen legt die Grenzen selbst fest und sollte sie über die Zeit beibehalten, damit Ergebnisse vergleichbar bleiben.

Was ist die XYZ-Analyse?

Die XYZ-Analyse ergänzt die ABC-Analyse um die Regelmäßigkeit des Verbrauchs. Sie teilt Artikel danach ein, wie stark ihr Bedarf von Periode zu Periode schwankt und wie gut er sich vorhersagen lässt. Gemessen wird das meist mit dem Variationskoeffizienten: Standardabweichung des Verbrauchs geteilt durch den durchschnittlichen Verbrauch je Periode.

  • X-Artikel: gleichmäßiger Verbrauch, gut vorhersagbar
  • Y-Artikel: schwankender Verbrauch, etwa durch Trends oder Saison, eingeschränkt vorhersagbar
  • Z-Artikel: unregelmäßiger oder sporadischer Verbrauch, kaum vorhersagbar

Auch hier sind die Klassengrenzen nicht festgelegt. In der Literatur finden sich unterschiedliche Grenzwerte für den Variationskoeffizienten.

Wie funktioniert die kombinierte ABC-XYZ-Analyse?

Die ABC-XYZ-Analyse verbindet beide Einteilungen zu einer Matrix mit neun Feldern von AX bis CZ. Jedes Feld legt eine passende Dispositionsstrategie nahe:

  • AX: hoher Wert, gleichmäßiger Bedarf. Eignet sich für verbrauchsnahe Belieferung wie Just-in-Time und niedrige Sicherheitsbestände.
  • AZ: hoher Wert, sporadischer Bedarf. Beschaffung möglichst auftragsbezogen, um Kapitalbindung zu vermeiden.
  • CX: geringer Wert, gleichmäßiger Bedarf. Vereinfachte, automatisierte Nachschubverfahren wie Kanban oder Bestellpunktverfahren.
  • CZ: geringer Wert, sporadischer Bedarf. Möglichst geringer Steuerungsaufwand, gelegentlich Prüfung, ob der Artikel im Sortiment bleiben muss.

Die übrigen Felder liegen dazwischen. Die Matrix liefert zudem Hinweise für die optimale Bestellmenge und die Höhe von Sicherheitsbeständen.

Wofür nutzt man die ABC-Analyse im Lager und in der Spedition?

Im Lager wird die ABC-Analyse oft nicht nach Wert, sondern nach Zugriffshäufigkeit erstellt. Schnelldreher kommen auf Plätze mit kurzen Wegen nahe der Kommissionierzone, Langsamdreher in entferntere Bereiche. Bei der chaotischen Lagerhaltung nutzt das Lagerverwaltungssystem diese Einteilung für die Platzwahl. Außerdem werden A-Artikel bei der permanenten Inventur häufiger gezählt.

In Speditionen dient die ABC-Analyse vor allem zur Einteilung von Kunden nach Umsatz oder Sendungsaufkommen. So lässt sich erkennen, auf welche Kunden ein großer Teil des Geschäfts entfällt und wo Betreuung und Abstimmung von Prozessen am meisten bewirken.

Welche Vorteile und Grenzen hat die ABC-Analyse?

Die ABC-Analyse ist einfach durchzuführen, mit Tabellenkalkulation ohne Spezialsoftware möglich und gut verständlich. Ihre Grenzen: Sie blickt nur auf vergangene Daten, betrachtet nur ein Kriterium und setzt Klassengrenzen nach Ermessen. Sie berücksichtigt auch nicht, wie kritisch ein Artikel ist. Ein günstiges C-Teil kann eine Produktion stoppen, wenn es fehlt. Deshalb wird sie oft mit der XYZ-Analyse oder weiteren Kriterien kombiniert.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ABC- und XYZ-Analyse?

Die ABC-Analyse teilt Artikel nach ihrem Wertanteil ein, die XYZ-Analyse nach der Regelmäßigkeit ihres Verbrauchs. Die eine zeigt, wie wichtig ein Artikel wirtschaftlich ist, die andere, wie gut sich sein Bedarf planen lässt. Kombiniert ergeben beide die ABC-XYZ-Matrix.

Was besagt das Pareto-Prinzip?

Das Pareto-Prinzip, auch 80-20-Regel genannt, beschreibt die Erfahrung, dass ein kleiner Teil der Ursachen einen großen Teil der Wirkung erzeugt. In der Materialwirtschaft heißt das: Wenige Artikel machen oft einen großen Teil des Verbrauchswerts aus. Die Zahlen 80 und 20 sind dabei eine Faustregel, kein festes Verhältnis.

Wie erstellt man eine ABC-Analyse in Excel?

Pro Artikel werden Menge und Preis erfasst und der Wert als Produkt berechnet. Die Liste wird absteigend nach Wert sortiert, dann werden Anteil am Gesamtwert und kumulierter Anteil berechnet. Eine WENN-Formel ordnet jede Zeile anhand der gewählten Grenzwerte der Klasse A, B oder C zu.

Wie oft sollte eine ABC-Analyse wiederholt werden?

Da sich Sortiment und Nachfrage ändern, sollte sie in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden, etwa jährlich oder bei größeren Sortimentsänderungen. In Lagerverwaltungssystemen lässt sie sich auch laufend berechnen, damit die Lagerplatzvergabe aktuell bleibt.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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