Logistik lexikon

Langsamdreher: Definition, Kennzahlen und Lagerung

Langsamdreher (Slow Mover) im Lager: wie man sie an Umschlagshäufigkeit und Zugriffen erkennt, wo man sie lagert und wie man Bestände abbaut.

Langsamdreher sind Artikel, die im Verhältnis zum übrigen Sortiment selten nachgefragt und deshalb selten aus dem Lager entnommen werden. Sie haben eine niedrige Umschlagshäufigkeit und eine lange Lagerdauer. Im Englischen heißen sie Slow Mover, das Gegenstück sind die Schnelldreher, die häufig gegriffen werden.

Was ist ein Langsamdreher?

Ein Langsamdreher ist ein Artikel, der sich im Lager langsam „dreht“: Er wird selten entnommen, der Bestand bleibt lange liegen und wird nur in großen Abständen erneuert. Andere Bezeichnungen sind Slow Mover, langsam drehende Artikel oder langsamdrehende Objekte. Das Gegenstück sind Schnelldreher, die häufig gegriffen werden und deshalb nahe an Kommissionierung und Warenausgang liegen.

Ab wann ein Artikel als Langsamdreher gilt, ist nicht einheitlich festgelegt. Jedes Unternehmen bestimmt die Grenze selbst, etwa nach Zugriffen pro Monat oder nach der Reichweite des Bestands. Abzugrenzen sind zwei verwandte Begriffe:

  • Ladenhüter oder Nonmover: Artikel, die über einen langen Zeitraum gar nicht bewegt werden.
  • C-Artikel: Ergebnis einer ABC-Analyse nach Wert oder Umsatz. C-Artikel können Langsamdreher sein, zwingend ist das aber nicht. Ein günstiges Verbrauchsteil kann sehr häufig entnommen werden.

Wie erkennt man Langsamdreher?

Grundlage sind die Bestands- und Bewegungsdaten aus dem Lagerverwaltungs- oder ERP-System. Gebräuchliche Kennzahlen sind:

  • Umschlagshäufigkeit: Verbrauch oder Absatz eines Zeitraums geteilt durch den durchschnittlichen Lagerbestand. Ein niedriger Wert deutet auf einen Langsamdreher hin.
  • Lagerdauer: Tage des Betrachtungszeitraums geteilt durch die Umschlagshäufigkeit. Mehr dazu unter durchschnittliche Lagerdauer.
  • Zugriffshäufigkeit: Anzahl der Entnahmen oder Auftragspositionen je Artikel. Für die Lagerplatzvergabe ist sie aussagekräftiger als der Umsatz.
  • Reichweite: wie lange der vorhandene Bestand beim bisherigen Verbrauch ausreicht.

Eine ABC-Analyse nach Zugriffshäufigkeit, ergänzt um eine XYZ-Analyse zur Regelmäßigkeit des Bedarfs, ergibt ein brauchbares Bild. Die Auswertung sollte regelmäßig wiederholt werden, weil sich die Nachfrage ändert, etwa gegen Ende eines Produktlebenszyklus.

Welche Kosten und Risiken verursachen Langsamdreher?

Langsamdreher binden Kapital und Lagerplatz über lange Zeit. Dazu kommen Kosten für Versicherung, Inventur und Verwaltung, die unabhängig von der Zahl der Entnahmen anfallen (siehe Inventar-Kosten). Je länger Ware liegt, desto größer ist das Risiko, dass sie technisch veraltet, verdirbt, das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet oder beschädigt wird. Am Ende stehen dann Abwertung, Abverkauf mit Preisnachlass oder Entsorgung.

Überflüssig ist ein Langsamdreher deshalb nicht automatisch. Ersatzteile, Sicherheitsbestände für kritische Bauteile oder Artikel, die ein Kunde vertraglich vorgehalten haben will, werden selten gebraucht, müssen aber verfügbar sein.

Wo werden Langsamdreher im Lager gelagert?

Die Lagerplatzvergabe richtet sich nach der Zugriffshäufigkeit. Schnelldreher erhalten die gut erreichbaren Plätze nahe der Kommissionierung und dem Warenausgang, Langsamdreher die Plätze mit längeren Wegen oder Zugriffszeiten. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Lagerung in hinteren Lagerbereichen oder auf oberen Regalebenen
  • kompakte Lagertechnik mit hoher Flächennutzung, etwa Verschieberegale, Kanalregale oder Blocklagerung sortenreiner Paletten
  • automatische Kleinteilelager oder Vertikallifte für kleinvolumige Artikel
  • Zusammenlegen von Anbruchpaletten, um Stellplätze freizumachen
  • Bündelung in einem Zentrallager statt Bevorratung in jedem Regionallager

Bei kompakter Lagerung ist zu prüfen, ob die Ware nach dem FIFO-Prinzip entnommen werden muss. Ein Kanalregal, das nur von einer Seite bedient wird, arbeitet nach dem LIFO-Prinzip und eignet sich für Artikel mit Haltbarkeitsdatum nur bedingt.

Wie lassen sich Bestände an Langsamdrehern abbauen?

Ansatzpunkte liegen im Bestandsmanagement und im Einkauf:

  • Bestellmengen und Meldebestände an den tatsächlichen Verbrauch anpassen
  • Beschaffung bei Bedarf statt Vorratshaltung, soweit die Lieferzeiten das zulassen
  • Streckengeschäft, bei dem der Lieferant direkt an den Kunden liefert
  • Abverkauf, Rückgabe an den Lieferanten oder Auslistung
  • regelmäßige Prüfung, ob ein Artikel als Service- oder Ersatzteil weiter gebraucht wird

Beispiel aus dem Ersatzteillager

Ein Großhändler für Landtechnik führt neben häufig verkauften Verschleißteilen auch Ersatzteile für ältere Maschinenmodelle. Diese Teile werden nur wenige Male im Jahr bestellt, die Auswertung der Zugriffe ordnet sie als Langsamdreher ein. Der Händler verlagert sie aus der Kommissionierzone in ein Fachbodenregal im hinteren Lagerbereich, verringert die Bestellmengen und prüft einmal im Jahr, welche Teile ausgelistet werden können. Die frei gewordenen Plätze vorne erhalten Schnelldreher, sodass die Wege beim Kommissionieren kürzer werden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schnelldreher und Langsamdreher?

Schnelldreher werden häufig entnommen und haben eine hohe Umschlagshäufigkeit, Langsamdreher werden selten entnommen und bleiben lange im Lager. Deshalb liegen Schnelldreher auf gut erreichbaren Plätzen nahe dem Warenausgang, Langsamdreher in Bereichen mit längeren Wegen oder in kompakter Lagertechnik.

Ab wann ist ein Artikel ein Langsamdreher?

Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Unternehmen legen eigene Schwellenwerte fest, zum Beispiel eine bestimmte Zahl an Zugriffen pro Monat, eine Mindest-Umschlagshäufigkeit oder eine maximale Reichweite des Bestands. Wichtig ist, die Einteilung regelmäßig mit aktuellen Bewegungsdaten zu überprüfen.

Sind C-Artikel immer Langsamdreher?

Nein. Eine ABC-Analyse nach Wert oder Umsatz berücksichtigt nicht die Zahl der Entnahmen. Ein günstiger C-Artikel kann sehr oft gebraucht werden und ist dann ein Schnelldreher. Für die Lagerplatzvergabe ist deshalb eine Auswertung nach Zugriffshäufigkeit sinnvoller.

Was macht man mit Ladenhütern im Lager?

Zunächst wird geprüft, ob der Artikel noch gebraucht wird, etwa als Ersatzteil. Ist das nicht der Fall, kommen Abverkauf, Rückgabe an den Lieferanten, Verwertung oder Entsorgung in Frage. Damit neue Ladenhüter gar nicht erst entstehen, sollten Bestellmengen und Meldebestände an den tatsächlichen Verbrauch angepasst werden.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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