Langsamdreher: Definition, Kennzahlen und Lagerung
Langsamdreher (Slow Mover) im Lager: wie man sie an Umschlagshäufigkeit und Zugriffen erkennt, wo man sie lagert und wie man Bestände abbaut.
Langsamdreher (Slow Mover) im Lager: wie man sie an Umschlagshäufigkeit und Zugriffen erkennt, wo man sie lagert und wie man Bestände abbaut.
Langsamdreher sind Artikel, die im Verhältnis zum übrigen Sortiment selten nachgefragt und deshalb selten aus dem Lager entnommen werden. Sie haben eine niedrige Umschlagshäufigkeit und eine lange Lagerdauer. Im Englischen heißen sie Slow Mover, das Gegenstück sind die Schnelldreher, die häufig gegriffen werden.
Ein Langsamdreher ist ein Artikel, der sich im Lager langsam „dreht“: Er wird selten entnommen, der Bestand bleibt lange liegen und wird nur in großen Abständen erneuert. Andere Bezeichnungen sind Slow Mover, langsam drehende Artikel oder langsamdrehende Objekte. Das Gegenstück sind Schnelldreher, die häufig gegriffen werden und deshalb nahe an Kommissionierung und Warenausgang liegen.
Ab wann ein Artikel als Langsamdreher gilt, ist nicht einheitlich festgelegt. Jedes Unternehmen bestimmt die Grenze selbst, etwa nach Zugriffen pro Monat oder nach der Reichweite des Bestands. Abzugrenzen sind zwei verwandte Begriffe:
Grundlage sind die Bestands- und Bewegungsdaten aus dem Lagerverwaltungs- oder ERP-System. Gebräuchliche Kennzahlen sind:
Eine ABC-Analyse nach Zugriffshäufigkeit, ergänzt um eine XYZ-Analyse zur Regelmäßigkeit des Bedarfs, ergibt ein brauchbares Bild. Die Auswertung sollte regelmäßig wiederholt werden, weil sich die Nachfrage ändert, etwa gegen Ende eines Produktlebenszyklus.
Langsamdreher binden Kapital und Lagerplatz über lange Zeit. Dazu kommen Kosten für Versicherung, Inventur und Verwaltung, die unabhängig von der Zahl der Entnahmen anfallen (siehe Inventar-Kosten). Je länger Ware liegt, desto größer ist das Risiko, dass sie technisch veraltet, verdirbt, das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet oder beschädigt wird. Am Ende stehen dann Abwertung, Abverkauf mit Preisnachlass oder Entsorgung.
Überflüssig ist ein Langsamdreher deshalb nicht automatisch. Ersatzteile, Sicherheitsbestände für kritische Bauteile oder Artikel, die ein Kunde vertraglich vorgehalten haben will, werden selten gebraucht, müssen aber verfügbar sein.
Die Lagerplatzvergabe richtet sich nach der Zugriffshäufigkeit. Schnelldreher erhalten die gut erreichbaren Plätze nahe der Kommissionierung und dem Warenausgang, Langsamdreher die Plätze mit längeren Wegen oder Zugriffszeiten. Mögliche Maßnahmen sind:
Bei kompakter Lagerung ist zu prüfen, ob die Ware nach dem FIFO-Prinzip entnommen werden muss. Ein Kanalregal, das nur von einer Seite bedient wird, arbeitet nach dem LIFO-Prinzip und eignet sich für Artikel mit Haltbarkeitsdatum nur bedingt.
Ansatzpunkte liegen im Bestandsmanagement und im Einkauf:
Ein Großhändler für Landtechnik führt neben häufig verkauften Verschleißteilen auch Ersatzteile für ältere Maschinenmodelle. Diese Teile werden nur wenige Male im Jahr bestellt, die Auswertung der Zugriffe ordnet sie als Langsamdreher ein. Der Händler verlagert sie aus der Kommissionierzone in ein Fachbodenregal im hinteren Lagerbereich, verringert die Bestellmengen und prüft einmal im Jahr, welche Teile ausgelistet werden können. Die frei gewordenen Plätze vorne erhalten Schnelldreher, sodass die Wege beim Kommissionieren kürzer werden.
Schnelldreher werden häufig entnommen und haben eine hohe Umschlagshäufigkeit, Langsamdreher werden selten entnommen und bleiben lange im Lager. Deshalb liegen Schnelldreher auf gut erreichbaren Plätzen nahe dem Warenausgang, Langsamdreher in Bereichen mit längeren Wegen oder in kompakter Lagertechnik.
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Unternehmen legen eigene Schwellenwerte fest, zum Beispiel eine bestimmte Zahl an Zugriffen pro Monat, eine Mindest-Umschlagshäufigkeit oder eine maximale Reichweite des Bestands. Wichtig ist, die Einteilung regelmäßig mit aktuellen Bewegungsdaten zu überprüfen.
Nein. Eine ABC-Analyse nach Wert oder Umsatz berücksichtigt nicht die Zahl der Entnahmen. Ein günstiger C-Artikel kann sehr oft gebraucht werden und ist dann ein Schnelldreher. Für die Lagerplatzvergabe ist deshalb eine Auswertung nach Zugriffshäufigkeit sinnvoller.
Zunächst wird geprüft, ob der Artikel noch gebraucht wird, etwa als Ersatzteil. Ist das nicht der Fall, kommen Abverkauf, Rückgabe an den Lieferanten, Verwertung oder Entsorgung in Frage. Damit neue Ladenhüter gar nicht erst entstehen, sollten Bestellmengen und Meldebestände an den tatsächlichen Verbrauch angepasst werden.