Backflushing: Retrograde Entnahme in der Fertigung
Backflushing (retrograde Entnahme): wie der Materialverbrauch nach Stückliste mit der Rückmeldung gebucht wird, Vorteile, Risiken und Beispiel.
Backflushing (retrograde Entnahme): wie der Materialverbrauch nach Stückliste mit der Rückmeldung gebucht wird, Vorteile, Risiken und Beispiel.
Backflushing ist ein Buchungsverfahren, bei dem der Materialverbrauch nicht bei der Entnahme, sondern nachträglich mit der Rückmeldung der Fertigung gebucht wird. Das System errechnet den Verbrauch aus Stückliste und gemeldeter Menge und bucht ihn vom Bestand ab. Deutsche Bezeichnungen sind retrograde Entnahme oder retrograde Verbrauchsbuchung.
Backflushing, auf Deutsch retrograde Entnahme oder retrograde Verbrauchsbuchung, ist ein Verfahren der Bestandsführung in der Produktion. Der Verbrauch von Material wird nicht in dem Moment gebucht, in dem es aus dem Lager oder vom Bereitstellplatz genommen wird. Gebucht wird erst, wenn die Fertigung meldet, wie viele Einheiten sie hergestellt hat. Aus dieser Rückmeldung und der hinterlegten Stückliste (englisch Bill of Materials, BOM) berechnet das ERP-System den Sollverbrauch und bucht ihn vom Bestand ab.
Das Gegenstück ist die direkte Entnahmebuchung: Jede Entnahme wird zum Zeitpunkt der Entnahme erfasst, etwa per Entnahmeschein oder Scan. Vom Backflushing in der Bestandsführung zu unterscheiden ist Backflush Costing in der Kostenrechnung, bei dem Kosten erst am Ende des Fertigungsprozesses den Produkten zugeordnet werden.
In ERP-Systemen wird je Material oder Stücklistenposition festgelegt, ob retrograd entnommen wird. So lassen sich Kleinteile retrograd und teure Komponenten direkt buchen.
Backflushing setzt deshalb genaue Stammdaten, disziplinierte Rückmeldungen und regelmäßige Bestandskontrollen in der Lagerverwaltung voraus.
Gut geeignet sind geringwertige Teile mit hohem und gleichmäßigem Verbrauch, etwa Schrauben, Muttern, Kabelbinder oder Klebstoffe, sowie Komponenten mit stabiler Stückliste in der Serienfertigung. Weniger geeignet sind teure Komponenten, Material mit stark schwankendem Verbrauch und Einzelfertigung, in der die Stückliste häufig angepasst wird.
Ein Hersteller montiert Elektromotoren an einer Linie. Schrauben, Unterlegscheiben und Kabelbinder stehen in Behältern am Band. Am Ende jeder Schicht meldet die Linie die Zahl der fertigen Motoren. Das ERP-System bucht daraufhin die Kleinteile entsprechend der Stückliste vom Bestand der Linie ab. Ist ein Behälter leer, löst die Karte den Nachschub aus dem Lager aus. Bei der Inventur zeigt sich, ob der Verbrauch der Stückliste entspricht. Übernimmt ein Logistikdienstleister die Versorgung der Linie, gehört zur Abstimmung, wer den Bestand am Band führt und wann gebucht wird. Mehr zu den Aufgaben in diesem Umfeld steht unter Produktionslogistik.
Gebucht wird mit der Rückmeldung der Fertigung, also nach einem Arbeitsgang oder am Ende des Fertigungsauftrags. Die physische Entnahme liegt davor und wird nicht einzeln gebucht.
Backflushing bezeichnet die nachträgliche Bestandsbuchung von Material nach Stückliste. Backflush Costing ist ein Verfahren der Kostenrechnung, bei dem Kosten erst nach Abschluss der Fertigung den Produkten zugerechnet werden.
Differenzen zeigen sich beim Vergleich des Systembestands mit dem gezählten Bestand, also bei Inventuren oder Stichproben. Mögliche Ursachen sind fehlerhafte Stücklisten und nicht gemeldeter Ausschuss.