Bullwhip-Effekt: Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen
Bullwhip-Effekt (Peitscheneffekt): vier Ursachen nach Lee, Folgen für Bestände und Transporte, Gegenmaßnahmen wie Informationsaustausch und VMI.
Bullwhip-Effekt (Peitscheneffekt): vier Ursachen nach Lee, Folgen für Bestände und Transporte, Gegenmaßnahmen wie Informationsaustausch und VMI.
Der Bullwhip-Effekt ist das Aufschaukeln von Bestellschwankungen entlang einer Lieferkette. Schon kleine Änderungen der Endkundennachfrage führen auf den vorgelagerten Stufen zu immer stärker schwankenden Bestellmengen. Der Effekt heißt auch Peitscheneffekt oder Forrester-Effekt und entsteht vor allem durch fehlende oder verzerrte Informationen zwischen den Stufen.
Der Bullwhip-Effekt beschreibt, dass Bestellmengen in einer Lieferkette umso stärker schwanken, je weiter eine Stufe vom Endkunden entfernt ist. Der Endverbraucher kauft relativ gleichmäßig, der Händler bestellt bereits schwankender beim Großhändler, dieser noch stärker beim Hersteller und der Hersteller am stärksten bei seinen Vorlieferanten. Der Name kommt vom Bild der Peitsche: Eine kleine Bewegung am Griff erzeugt am Ende einen großen Ausschlag. Im Deutschen sind auch die Begriffe Peitscheneffekt, Peitschenschlageffekt und Forrester-Effekt gebräuchlich.
Der Bullwhip-Effekt ist ein zentrales Thema im Lieferkettenmanagement (SCM), weil er Bestände, Kapazitäten und Transporte auf allen Stufen beeinflusst.
Die Verstärkung von Nachfrageschwankungen in mehrstufigen Systemen hat Jay W. Forrester am Massachusetts Institute of Technology in seinem Buch Industrial Dynamics von 1961 untersucht. Daher stammt die Bezeichnung Forrester-Effekt. Bekannt wurde der Begriff Bullwhip-Effekt vor allem durch die Arbeiten von Hau L. Lee, V. Padmanabhan und Seungjin Whang aus dem Jahr 1997. Sie nennen als Beispiel Procter & Gamble: Bei Babywindeln war der Absatz an Endkunden recht stabil, die Bestellungen der Händler und die eigenen Bestellungen bei Vorlieferanten schwankten dagegen deutlich stärker.
Lee, Padmanabhan und Whang unterscheiden vier Ursachen:
Für Speditionen zeigt sich der Effekt in stark schwankenden Sendungsmengen bei ihren Verladern. Die Disposition muss Spitzen abfangen, für die kurzfristig Fahrzeuge und Subunternehmer gebraucht werden, während in anderen Wochen Kapazität ungenutzt bleibt. Auch das Bestandsmanagement in Lagern von Logistikdienstleistern ist betroffen.
Auch eine Steuerung nach dem Hol-Prinzip kann helfen, weil der tatsächliche Verbrauch den Nachschub auslöst.
Das Beer Game ist ein Planspiel, das am MIT entwickelt wurde. Die Teilnehmer übernehmen die Rollen von Einzelhändler, Großhändler, Verteiler und Brauerei. Jede Stufe sieht nur die Bestellungen ihres direkten Kunden und muss mit Liefer- und Bestellverzögerungen umgehen. Obwohl sich die Endkundennachfrage im Spiel kaum ändert, entstehen dabei starke Schwankungen bei Beständen und Bestellungen. Das Spiel wird in Ausbildung und Unternehmen eingesetzt, um zu zeigen, dass der Effekt aus der Struktur der Kette entsteht und nicht aus Fehlern einzelner Beteiligter.
Ein Supermarkt verkauft eine Woche lang etwas mehr Nudeln als üblich und bestellt beim Großhändler vorsorglich deutlich mehr. Der Großhändler deutet das als steigende Nachfrage und bestellt beim Hersteller noch mehr. Sinkt der Absatz wieder, sitzen alle Stufen auf zu hohen Beständen und bestellen eine Zeit lang kaum noch.
Verglichen wird die Schwankung der Bestellungen einer Stufe mit der Schwankung der Nachfrage, die diese Stufe erhält. Statistisch kann dazu das Verhältnis der Varianzen gebildet werden. Ist die Schwankung der Bestellungen größer als die der Nachfrage, liegt ein Bullwhip-Effekt vor.
Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied. Beide Begriffe beschreiben die Verstärkung von Nachfrageschwankungen entlang der Lieferkette. Forrester-Effekt verweist auf Jay W. Forrester, der das Phänomen früh untersucht hat.
Ja. Schwankende Bestellmengen der Verlader führen zu schwankenden Transportmengen. Speditionen müssen dann kurzfristig zusätzlichen Laderaum beschaffen oder haben in anderen Phasen freie Kapazitäten.