Logistik lexikon

Konsignationslager: Definition, Vorteile & Abwicklung

Fachartikel: Konsignationslager – Maximale Warenverfügbarkeit bei minimalem Kapitalrisiko

In einer globalisierten Wirtschaft ist die schnelle Verfügbarkeit von Bauteilen und Rohstoffen ein kritischer Wettbewerbsfaktor. Das Konsignationslager ist ein bewährtes Modell, um dieses Ziel zu erreichen. Es handelt sich um ein Lager, das sich meist in unmittelbarer Nähe oder direkt auf dem Gelände des Abnehmers befindet, dessen Waren jedoch bis zur Entnahme im Eigentum des Lieferanten (Konsignant) bleiben. Erst in dem Moment, in dem der Abnehmer (Konsignatar) die Ware entnimmt, findet der Eigentumsübergang statt und die Rechnung wird ausgelöst. Dieses Modell ist ein zentraler Baustein des Vendor Managed Inventory (VMI) und optimiert die gesamte Transportkette durch eine bedarfsgerechte Bevorratung vor Ort.

Funktionsweise & Details: Eigentum und Entnahme im Fokus

Die Besonderheit des Konsignationslagers liegt in der Trennung von physischem Besitz und rechtlichem Eigentum.

Der Prozess im Überblick

  1. Einlagerung: Der Lieferant liefert die Ware in das Konsignationslager (oft via FTL oder Sammelgut). Die Ware wird im System des Abnehmers (siehe auch: WMS) erfasst, bleibt aber wertmäßig beim Lieferanten.
  2. Lagerung: Der Abnehmer sorgt für die ordnungsgemäße Lagerung, z. B. in einem Hochregallager.
  3. Entnahme: Sobald der Abnehmer die Ware für die Produktion benötigt, entnimmt er diese. Dies wird via Handscanner dokumentiert.
  4. Abrechnung: Durch die Entnahme erfolgt der "Selbstverkauf". Der Lieferant erhält eine Gutschrift oder stellt eine Rechnung auf Basis der Verbrauchsdaten aus.

Rechtliche und steuerliche Aspekte

Seit der EU-Mehrwertsteuerreform 2020 gelten vereinfachte Regeln für Konsignationslager innerhalb der EU. Wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, wird die Lieferung erst zum Zeitpunkt der Entnahme als innergemeinschaftliches Geschäft gewertet, was den administrativen Aufwand für den Lieferanten massiv reduziert.

[Image: A warehouse section marked with "Supplier A - Consignment Stock", showing a factory worker taking a box and scanning it, triggering a digital invoice icon]

Praxis-Relevanz: Warum das Konsignationslager eine Win-win-Situation ist

Sowohl für den Lieferanten als auch für den Abnehmer bietet dieses Modell strategische Vorteile, sofern die Prozesse sauber definiert sind.

Die zentralen Vorteile

  • Für den Abnehmer: * Sofortige Warenverfügbarkeit ohne Vorfinanzierung (Schonung der Liquidität).
    • Wegfall des Risikos von Produktionsstillständen durch Lieferverzögerungen.
    • Reduzierung des administrativen Aufwands in der Beschaffungslogistik.
  • Für den Lieferanten:
    • Starke Kundenbindung durch die physische Präsenz vor Ort.
    • Bessere Planbarkeit der eigenen Produktion durch Einblick in die Bestände des Kunden.
    • Kostenvorteile durch die Bündelung von Transporten (statt vieler kleiner Sendungen).

Herausforderungen

Die größte Hürde ist das Bestandsrisiko. Wer haftet bei Diebstahl, Verderb oder Schwund? Diese Details müssen in einem Konsignationslagervertrag exakt geregelt sein (siehe auch: Halterhaftung). Zudem ist eine hohe IT-Transparenz via EDI (Electronic Data Interchange) notwendig, damit der Lieferant jederzeit weiß, wann er die Bestände wieder auffüllen muss (Replenishment).

Fazit

Das Konsignationslager ist das ideale Instrument für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Supply Chain. Es wandelt das klassische "Käufer-Verkäufer"-Verhältnis in eine strategische Allianz um. Durch die Kombination aus hoher Verfügbarkeit und geringer Kapitalbindung schafft es die Basis für hocheffiziente Just-in-Time-Prozesse. In einer Welt volatiler Märkte bietet das Konsignationslager die notwendige Sicherheit, um flexibel auf Nachfrageschwankungen zu reagieren, ohne das eigene Budget zu sprengen. Wer Bestände intelligent vor Ort managt, sichert sich den entscheidenden Vorsprung in der Produktion.

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