Logistik lexikon

Bunkerzuschlag: BAF, Berechnung und Abgrenzung

Bunkerzuschlag (BAF) in der Seefracht: wie Reedereien ihn berechnen und anpassen, was LSS bedeutet und was ihn von Dieselzuschlag und CAF unterscheidet.

Der Bunkerzuschlag ist ein variabler Zuschlag auf die Seefrachtrate, mit dem Reedereien schwankende Kosten für Schiffstreibstoff an ihre Kunden weitergeben. International heißt er Bunker Adjustment Factor (BAF). Er wird regelmäßig an die Bunkerpreise angepasst und je Container oder je Frachttonne berechnet.

Was ist der Bunkerzuschlag (BAF)?

Der Bunkerzuschlag ist ein Zuschlag auf die Grundfracht im Seeverkehr. Als Bunker wird der Treibstoff bezeichnet, den ein Schiff an Bord nimmt, das Betanken heißt Bunkern. Weil die Bunkerpreise stark schwanken, trennen Reedereien die Treibstoffkosten von der Grundrate und gleichen Preisänderungen über einen eigenen Zuschlag aus. International ist die Bezeichnung BAF (Bunker Adjustment Factor) üblich. Daneben kommen Begriffe wie Bunker Surcharge oder Fuel Adjustment Factor vor. Erhoben wird der Zuschlag in der Containerschifffahrt ebenso wie im Fährverkehr und in der konventionellen Seefracht.

In Angeboten und Rechnungen steht der Bunkerzuschlag als eigene Position neben der Grundrate und weiteren Nebenkosten wie den Terminal Handling Charges (THC). Wer Seefrachtraten vergleicht, muss deshalb immer prüfen, welche Zuschläge in einer Rate enthalten sind und welche zusätzlich anfallen.

Wie wird der Bunkerzuschlag berechnet?

Eine einheitliche Formel gibt es nicht. Jede Reederei legt ihre eigene Methode fest. In die Berechnung fließen ein:

  • Bunkerpreis: Ausgangspunkt ist ein durchschnittlicher Treibstoffpreis über einen Bezugszeitraum.
  • Verbrauch je Fahrtgebiet: Ein fahrtgebietsbezogener Faktor bildet ab, wie viel Treibstoff auf einer Relation je transportierter Einheit anfällt. Er hängt von Entfernung, Schiffsgröße, Geschwindigkeit und Auslastung ab.
  • Bezugsgröße: Das Ergebnis wird auf eine Abrechnungseinheit umgerechnet, im Containerverkehr je Container oder je TEU, bei konventioneller Ladung und LCL-Sendungen je Frachttonne nach Gewicht oder Maß.

Die Reedereien passen den BAF in festen Abständen an, etwa monatlich oder quartalsweise.

Was ist der Unterschied zwischen Bunkerzuschlag, Dieselzuschlag und CAF?

Alle drei sind Anpassungszuschläge, die eine schwankende Kostengröße von der vereinbarten Grundrate trennen. Sie betreffen aber unterschiedliche Verkehrsträger und Kosten:

  • Bunkerzuschlag (BAF): Treibstoffkosten in der Seeschifffahrt, festgelegt von der Reederei.
  • Dieselzuschlag: Treibstoffkosten im Straßengüterverkehr. Er wird zwischen Spedition und Auftraggeber vereinbart und kann über einen Dieselfloater an einen Dieselpreisindex gekoppelt werden.
  • CAF (Currency Adjustment Factor): Ausgleich von Wechselkursschwankungen zwischen der Währung der Frachtrate und der Abrechnungswährung.

Auch die Luftfracht kennt einen Treibstoffzuschlag (Fuel Surcharge). Ihn legen die Fluggesellschaften fest.

Was bedeutet die Low Sulphur Surcharge (LSS)?

Mit der Regel IMO 2020 hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation den zulässigen Schwefelgehalt von Schiffstreibstoff außerhalb besonderer Emissions-Überwachungsgebiete auf 0,50 Prozent gesenkt. In Überwachungsgebieten wie Nord- und Ostsee gilt ein noch strengerer Grenzwert. Schwefelarmer Treibstoff ist teurer als das zuvor übliche Schweröl. Reedereien können die Mehrkosten als Low Sulphur Surcharge (LSS) ausweisen, entweder als eigenen Zuschlag neben dem BAF oder als Bestandteil eines angepassten Bunkerzuschlags. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je Reederei.

Seit die Seeschifffahrt in den EU-Emissionshandel einbezogen ist, können Reedereien für Verkehre mit Bezug zur EU außerdem einen Emissionszuschlag berechnen. Er deckt die Kosten für Emissionszertifikate und ist vom Bunkerzuschlag zu unterscheiden.

Wer zahlt den Bunkerzuschlag?

Die Reederei stellt den BAF ihrem Vertragspartner in Rechnung, also dem Verlader oder der Spedition, die den Container gebucht hat. Wer ihn wirtschaftlich trägt, hängt vom Vertrag ab. Bei einer All-in-Rate ist der Zuschlag in der Gesamtfracht enthalten, das Risiko steigender Treibstoffpreise liegt dann beim Anbieter der Rate. Bei Raten zuzüglich Zuschlägen gilt der jeweils gültige BAF. Welcher Stichtag maßgeblich ist, legen Reederei und Vertrag fest. In langfristigen Kontrakten können Bunkerklauseln den Zuschlag an einen Preisindex koppeln. Zwischen Verkäufer und Käufer der Ware regeln die Incoterms, wer die Seefracht samt Zuschlägen trägt.

Beispiel: Bunkerzuschlag in der Speditionspraxis

Eine Spedition bietet einem Kunden einen Exportcontainer von Hamburg nach Asien an. Die Reederei nennt eine Grundrate zuzüglich BAF, LSS und THC. Zwischen Angebot und Verladung passt die Reederei den BAF zum Monatswechsel an. Hat die Spedition dem Kunden eine Festrate ohne Anpassungsklausel genannt, trägt sie die Differenz selbst. Hat sie die Zuschläge mit dem Hinweis angeboten, dass die Werte der Reederei zum Verladezeitpunkt gelten, gibt sie die Änderung weiter. Damit die Abrechnung stimmt, sollte im TMS hinterlegt sein, welche Zuschläge in der vereinbarten Rate enthalten sind und welche gesondert berechnet werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet BAF in der Seefracht?

BAF steht für Bunker Adjustment Factor, auf Deutsch Bunkerzuschlag. Es handelt sich um einen variablen Zuschlag auf die Seefrachtrate, mit dem Reedereien Änderungen der Treibstoffpreise an ihre Kunden weitergeben.

Wie oft ändert sich der Bunkerzuschlag?

Die Reedereien passen den BAF regelmäßig an, etwa monatlich oder quartalsweise. Welcher Wert für eine Sendung gilt, richtet sich nach dem im Vertrag oder in den Tarifbedingungen festgelegten Stichtag.

Ist der Bunkerzuschlag in einer All-in-Rate enthalten?

Ja, bei einer echten All-in-Rate sind Grundfracht und die genannten Zuschläge zusammengefasst. Es lohnt sich trotzdem, im Angebot zu prüfen, welche Zuschläge ausdrücklich eingeschlossen sind, denn Nebenkosten wie THC oder Emissionszuschläge werden teils getrennt berechnet.

Gibt es einen Bunkerzuschlag auch im Lkw-Verkehr?

Nein. Im Straßengüterverkehr heißt der vergleichbare Zuschlag Dieselzuschlag. Er kann über einen Dieselfloater an einen Dieselpreisindex gekoppelt werden.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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