Logistik lexikon

Lagerbörse: freie Lagerflächen finden und anbieten

Lagerbörse: wie Plattformen freie Lagerflächen und Stellplätze vermitteln, was vor der Einlagerung zu klären ist und der Unterschied zur Frachtbörse.

Eine Lagerbörse ist eine Online-Plattform, auf der Logistikdienstleister und andere Unternehmen freie Lagerkapazitäten anbieten und Unternehmen mit Lagerbedarf passende Flächen, Palettenstellplätze oder Lagerleistungen suchen. Die Börse bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Laufzeit, Leistungen, Preise und Haftung vereinbaren Anbieter und Nutzer anschließend in einem Lagervertrag.

Was ist eine Lagerbörse?

Eine Lagerbörse ist ein digitaler Marktplatz für Lagerkapazitäten. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Lagerflächenbörse oder Lagerplattform. Angeboten werden freie Hallenflächen, Palettenstellplätze und Lagerlogistikleistungen wie Ein- und Auslagerung, Kommissionierung oder Versand. Anbieter sind Logistikdienstleister und Speditionen mit eigenen Lagern, aber auch Industrie- und Handelsunternehmen mit ungenutzter Fläche.

Von einem Immobilienportal unterscheidet sich die Lagerbörse dadurch, dass nicht nur Flächen zur Miete, sondern auch Lagerleistungen vermittelt werden. Werden über eine Lagerbörse Palettenstellplätze gebucht, mietet der Kunde keine Halle, sondern beauftragt einen Lagerhalter mit der Lagerung seiner Ware.

Wie funktioniert eine Lagerbörse?

Anbieter beschreiben ihre freien Kapazitäten mit Standort, Fläche oder Stellplatzzahl, Lagerart und Ausstattung, zum Beispiel temperaturgeführt, für Gefahrgut zugelassen oder mit Regal- oder Blocklager. Suchende stellen ein Gesuch ein und geben an, welche Ware sie für welchen Zeitraum lagern wollen, auf welchen Ladungsträgern, in welcher Menge und mit welchen Zusatzleistungen. Passende Anbieter melden sich mit einem Angebot. Offene Punkte werden anschließend direkt zwischen den Beteiligten geklärt. Welche Leistungen die Plattform darüber hinaus übernimmt, etwa Prüfung der Anbieter oder Vertragsabwicklung, legt jede Plattform selbst fest.

Was ist der Unterschied zwischen Lagerbörse und Frachtbörse?

Eine Frachtbörse vermittelt Transportaufträge und freien Laderaum. Ein Angebot dort betrifft eine einzelne Fahrt und wird kurzfristig vergeben. Eine Lagerbörse vermittelt dagegen Kapazität über einen Zeitraum: Die Ware bleibt Wochen oder Monate beim Lagerhalter, und neben der Fläche werden Leistungen wie Ein- und Auslagerung und Bestandsführung vereinbart. Entsprechend aufwendiger ist die Abstimmung vor dem Start.

Welche Vorteile und Nachteile hat eine Lagerbörse?

Für Anbieter ist die Lagerbörse ein Weg, Leerstand zu füllen, etwa wenn ein Kunde ausgelaufen ist. Suchende finden über sie kurzfristig zusätzliche Kapazität, ohne selbst ein Lager zu bauen oder langfristig anzumieten. Das hilft bei saisonalen Spitzen, bei Umbauten oder als Pufferlager. Auch für spezielle Anforderungen wie Gefahrgut oder Temperaturführung lässt sich gezielt suchen.

Dem stehen Aufwände gegenüber. Der neue Partner muss geprüft werden, Ein- und Auslagerung, Bestandsmeldungen und Datenaustausch müssen erst eingerichtet werden. Hinzu kommen Transporte zum neuen Standort. Dauerhafte, eng verzahnte Lagerlösungen werden dagegen als Kontraktlogistik mit längerfristigen Verträgen vereinbart.

Was sollte vor der Einlagerung über eine Lagerbörse geklärt sein?

  • Vertrag: Übernimmt ein Lagerhalter die Lagerung und Aufbewahrung der Ware, liegt ein Lagervertrag nach § 467 HGB vor. Laufzeit, Kündigung und Vergütung sollten schriftlich festgelegt sein.
  • Haftung und Versicherung: Der Lagerhalter haftet nach § 475 HGB für Verlust oder Beschädigung während der Lagerung, es sei denn, der Schaden konnte durch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns nicht abgewendet werden. Ob die ADSp gelten und wie die Ware versichert ist, gehört in den Vertrag.
  • Leistungen und Preise: Lagergeld, Ein- und Auslagerung, Kommissionierung und Zusatzleistungen getrennt ausweisen; daraus ergeben sich die Lagerhaltungskosten.
  • Anforderungen an das Lager: Zulassungen und Zertifizierungen, etwa für Lebensmittel oder für die Gefahrgutlagerung.
  • Datenaustausch: wie Avise, Bestände und Auslagerungsaufträge übermittelt werden.

Ein Beispiel: Ein Getränkehändler braucht vor der Sommersaison zusätzliche Palettenstellplätze in der Nähe seines Zentrallagers. Über eine Lagerbörse findet er eine Spedition, deren Halle nach dem Wechsel eines Kunden teilweise leer steht. Beide vereinbaren Lagergeld je Stellplatz, Gebühren für Ein- und Auslagerung und eine feste Laufzeit. Die Spedition übernimmt auch die Anlieferung aus dem Zentrallager und nutzt so zugleich ihre eigene Kapazität im Fuhrpark.

Rechtsgrundlagen

Häufige Fragen

Was kostet ein Lagerplatz über eine Lagerbörse?

Die Preise legen die Anbieter fest. Sie hängen von Standort, Lagerart, Laufzeit, Ladungsträger und den gewünschten Leistungen ab. Neben dem Lagergeld werden Ein- und Auslagerung sowie Zusatzleistungen gesondert berechnet.

Ist die Nutzung einer Lagerbörse kostenlos?

Das hängt von der Plattform ab. Jede Lagerbörse legt ihr Preismodell selbst fest, deshalb lohnt ein Blick in die Nutzungsbedingungen, bevor Angebote oder Gesuche eingestellt werden.

Können Speditionen freie Lagerflächen über eine Lagerbörse anbieten?

Ja. Speditionen mit eigenen Lagern können freie Stellplätze inserieren oder auf Gesuche von Unternehmen antworten und dabei Transport und Lagerung gemeinsam anbieten.

Wie kurzfristig lässt sich über eine Lagerbörse Lagerfläche finden?

Das hängt vom Angebot in der Region und von den Anforderungen an das Lager ab. Für Standardware auf Paletten ist die Auswahl größer als für Gefahrgut oder temperaturgeführte Ware.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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