Logistik lexikon

Multi Order Picking: Ablauf, Varianten und Vorteile

Multi Order Picking: wie mehrere Aufträge in einem Rundgang kommissioniert werden, einstufig oder zweistufig, mit Vor- und Nachteilen und Beispiel.

Multi Order Picking ist ein Kommissionierverfahren, bei dem ein Kommissionierer mehrere Kundenaufträge in einem gemeinsamen Rundgang durch das Lager bearbeitet. Gleiche Artikel werden für alle Aufträge zusammen entnommen und entweder direkt beim Picken oder in einem zweiten Schritt auf die einzelnen Aufträge verteilt.

Was ist Multi Order Picking?

Multi Order Picking, auf Deutsch auftragsübergreifende Kommissionierung, fasst mehrere Kundenaufträge zu einem gemeinsamen Kommissionierauftrag zusammen. Die Begriffe Batch Picking und Sammelkommissionierung werden teils gleichbedeutend verwendet. Der Kommissionierer läuft das Lager nur einmal ab und entnimmt an jedem Lagerplatz die Menge, die alle Aufträge im Batch zusammen benötigen.

Das Gegenstück ist das Single Order Picking, die auftragsweise Kommissionierung: Ein Auftrag wird vollständig abgearbeitet, bevor der nächste beginnt. Weitere Grundlagen und Verfahren beschreibt der Eintrag Kommissionierung.

Wie funktioniert Multi Order Picking?

  1. Batch-Bildung: Das Lagerverwaltungssystem (WMS) fasst Aufträge zusammen, etwa nach Versandzeitpunkt, Tour, Lagerzone oder gemeinsamen Artikeln.
  2. Wegeplanung: Aus den Lagerplätzen aller Positionen entsteht eine Pickliste mit möglichst kurzer Route, siehe Leitweglenkung im Lager.
  3. Entnahme: Der Kommissionierer entnimmt je Artikel die Gesamtmenge des Batches, zum Beispiel nach dem Mann-zur-Ware-Prinzip.
  4. Vereinzelung: Die entnommenen Mengen werden den einzelnen Aufträgen zugeordnet, entweder sofort am Wagen oder später an einer Sortierstation.
  5. Abschluss: Jeder Auftrag wird kontrolliert, verpackt und an den Versand übergeben.

Einstufiges oder zweistufiges Multi Order Picking?

Beim einstufigen Verfahren, auch Pick and Sort oder Sort while Pick genannt, trägt der Kommissionierwagen mehrere Behälter, je einen pro Auftrag. Der Kommissionierer legt die Artikel bei der Entnahme direkt in den richtigen Behälter. Nach dem Rundgang sind die Aufträge bereits getrennt. Das Verfahren ist eng mit Pick-to-Box verwandt.

Beim zweistufigen Verfahren wird zuerst artikelweise gesammelt, ohne die Aufträge zu trennen. In der zweiten Stufe werden die Sammelmengen an einer Sortierstation auf die Aufträge verteilt, manuell, über ein Put-to-Light-Regal oder über einen automatischen Sorter. Das lohnt sich vor allem bei vielen kleinen Aufträgen mit wenigen Positionen, wie sie im E-Commerce-Fulfillment typisch sind.

Welche Vorteile und Nachteile hat Multi Order Picking?

Vorteile:

  • Kürzere Wege je Auftrag, weil jeder Lagerplatz pro Batch nur einmal angelaufen wird
  • Höhere Kommissionierleistung je Mitarbeiter und Schicht
  • Gute Planbarkeit, wenn Batches nach Versandzeiten oder Touren gebildet werden

Nachteile:

  • Zusätzlicher Sortierschritt mit eigenem Fehlerrisiko
  • Begrenzte Wagenkapazität, ungeeignet für große oder sperrige Artikel
  • Eilige Aufträge können warten, bis ein Batch vollständig ist
  • Höhere Anforderungen an WMS, Batch-Bildung und Hilfsmittel

Welche Hilfsmittel unterstützen die Sortierung?

  • Put-to-Light: Leuchtanzeigen an Fächern oder Behältern zeigen Ziel und Menge.
  • Pick-by-Voice: Sprachansagen führen den Kommissionierer, die Bestätigung erfolgt per Sprache, siehe akustische Kommissionierung.
  • Mobile Scanner: Artikel und Zielbehälter werden per Barcode bestätigt.
  • Pick-by-Vision: Eine Datenbrille blendet Lagerplatz und Zielbehälter ein.

Welche Lösung passt, hängt von Auftragsstruktur, Artikelgröße und Fehlertoleranz ab. Schon ein Kommissionierwagen mit nummerierten Fächern und eine Scannerbestätigung je Behälter können das Risiko von Verwechslungen gegenüber einer reinen Papierliste senken.

Beispiel: Multi Order Picking im Ersatzteilversand

Ein Versandhändler für Ersatzteile erhält am Vormittag viele Bestellungen mit wenigen Positionen. Das WMS bildet in festen Abständen Batches aus Aufträgen, die mit demselben Paketdienst das Lager verlassen. Ein Kommissionierer erhält einen Wagen mit mehreren Behältern, jeder mit einer Auftragsnummer beschriftet. An jedem Lagerplatz zeigt der Scanner die Gesamtmenge des Artikels und danach, wie viele Stück in welchen Behälter gehören. Jede Ablage wird durch Scan des Behälters bestätigt. Nach dem Rundgang gehen die Behälter direkt an den Packplatz, wo nur noch kontrolliert und verpackt wird.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Single Order Picking und Multi Order Picking?

Beim Single Order Picking wird ein Auftrag nach dem anderen kommissioniert. Beim Multi Order Picking bearbeitet ein Kommissionierer mehrere Aufträge in einem Rundgang und verteilt die Artikel anschließend oder gleichzeitig auf die Aufträge. Das spart Wege, erfordert aber einen Sortierschritt.

Ist Batch Picking dasselbe wie Multi Order Picking?

In der Praxis werden beide Begriffe meist gleichbedeutend verwendet. Manche Quellen verstehen unter Batch Picking enger die zweistufige Variante, bei der erst gesammelt und dann an einer Station sortiert wird.

Wann lohnt sich Multi Order Picking?

Es lohnt sich, wenn viele kleine Aufträge mit wenigen Positionen anfallen und die Artikel klein genug sind, um mehrere Aufträge auf einem Wagen zu sammeln. Bei großen Aufträgen mit vielen Positionen oder sperriger Ware ist die auftragsweise Kommissionierung oft einfacher.

Wie viele Aufträge können gleichzeitig kommissioniert werden?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Sie hängt von der Kapazität des Kommissionierwagens, der Artikelgröße, der Zahl der Positionen je Auftrag und der Sortiertechnik ab.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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