Logistik lexikon

Wegstrategie: Kommissionierwege im Lager planen

Wegstrategie in der Kommissionierung: Schleifen-, Stichgang- und Largest-Gap-Strategie, Einflussfaktoren und Abgrenzung zur Routenplanung.

Eine Wegstrategie legt fest, in welcher Reihenfolge und auf welchem Weg ein Kommissionierer die Entnahmeplätze eines Auftrags im Lager anläuft. Ziel ist ein kurzer Kommissionierweg und damit eine geringe Wegzeit. Bekannte Wegstrategien sind die Schleifenstrategie, die Stichgangstrategie und die Largest-Gap-Strategie.

Was ist eine Wegstrategie?

Eine Wegstrategie legt fest, in welcher Reihenfolge und auf welchem Weg ein Kommissionierer die Entnahmeplätze eines Auftrags anläuft. Sie ist Teil der Kommissionierstrategie und betrifft vor allem die manuelle Kommissionierung nach dem Prinzip Person zur Ware. Die Kommissionierzeit setzt sich aus Basiszeit, Wegzeit, Greifzeit und Totzeit zusammen. Die Wegstrategie beeinflusst die Wegzeit, also die Zeit, die der Kommissionierer zwischen Basis und Lagerplätzen unterwegs ist.

Was bedeutet Leitweglenkung im Lager?

Leitweglenkung ist ein Fachbegriff aus der Telekommunikation und bezeichnet dort die Wahl des Weges, über den eine Verbindung oder ein Datenpaket durch ein Netz geführt wird, englisch Routing. Für das Lager ist Leitweglenkung kein feststehender Fachbegriff. Im Lagerkontext kann damit zweierlei gemeint sein: die Wegstrategie für Kommissionierer und die Wahl der Strecke für Behälter und Paletten in automatischer Fördertechnik. Letztere übernimmt die Materialflusssteuerung, die Weichen und Förderstrecken ansteuert. Mehr dazu unter Materialfluss.

Welche Wegstrategien gibt es in der Kommissionierung?

  • Schleifenstrategie: Jeder Gang, in dem mindestens eine Entnahme liegt, wird vollständig durchlaufen. Gänge ohne Entnahme werden übersprungen. Der Weg verläuft schleifenförmig durch das Lager, englisch S-Shape. Die Strategie ist einfach anzuwenden und ergibt kurze Wege, wenn je Gang viele Positionen anfallen.
  • Stichgangstrategie: Der Kommissionierer betritt einen Gang vom Hauptgang aus, geht bis zur letzten Entnahmestelle und kehrt auf demselben Weg zurück.
  • Largest-Gap-Strategie: Gänge werden von beiden Quergängen aus betreten. Die größte Lücke zwischen zwei Entnahmestellen oder zwischen Gangende und Entnahmestelle wird nicht begangen. Die Strategie ergibt kurze Wege, wenn je Gang wenige Positionen anfallen.
  • Kombinierte Strategie: Für jeden Gang wird entschieden, ob er vollständig durchlaufen oder als Stichgang begangen wird, je nachdem, welcher Weg kürzer ist.
  • Optimale Strategie: Ein Algorithmus berechnet den kürzesten Weg für den einzelnen Auftrag. Die Wege folgen keinem festen Muster.

Wovon hängt die Wahl der Wegstrategie ab?

  • Layout: Anzahl und Länge der Gänge, Zahl der Quergänge und Lage der Basis, an der Aufträge beginnen und enden.
  • Positionen je Auftrag: Werden mehrere Aufträge gemeinsam kommissioniert, etwa beim Multi Order Picking, steigt die Zahl der Entnahmen je Gang.
  • Platzvergabe: Liegen Schnelldreher nahe der Basis, verkürzen sich die Wege unabhängig von der gewählten Strategie.
  • Kommissioniermittel: Können Kommissionierwagen oder Flurförderzeuge im Gang nicht wenden, scheidet die Stichgangstrategie aus.

Umgesetzt wird die Wegstrategie in der Lagerverwaltung. Das System sortiert die Positionen der Pickliste in die Laufreihenfolge. Grundlage ist ein Wegemodell, in dem jeder Lagerplatz mit seiner Lage im Gang hinterlegt ist. Die Regeln gelten auch für Mitarbeiter, die mit Scanner, Pick-by-Voice oder Datenbrille arbeiten, denn die Reihenfolge der Anweisungen ergibt sich aus derselben Sortierung.

Was ist der Unterschied zwischen Wegstrategie und Routenplanung?

Beide Aufgaben suchen eine kurze Reihenfolge von Stationen und gehen auf dasselbe mathematische Grundproblem zurück, das Rundreiseproblem. Die Rahmenbedingungen sind aber verschieden. Die Wegstrategie bezieht sich auf die Gänge eines Lagers und die Wege eines Kommissionierers zu Fuß oder mit Flurförderzeug. Die Routenplanung im Transport plant Fahrten auf dem Straßennetz und berücksichtigt Lenk- und Ruhezeiten, Fahrverbote und Fahrzeugmaße. Die Tourenplanung verteilt zusätzlich Sendungen auf Fahrzeuge und beachtet Zeitfenster und Ladekapazität. Beide Bereiche gehören zur Logistik, die Wegstrategie aber zur Intralogistik.

Häufige Fragen

Welche Wegstrategie ist die beste?

Das hängt vom Lager und vom Auftragsprofil ab. Die Schleifenstrategie eignet sich, wenn je Gang viele Positionen anfallen, die Largest-Gap-Strategie, wenn es wenige sind. Die optimale Strategie liefert den kürzesten Weg, ist aber für Kommissionierer schwerer nachzuvollziehen.

Was ist ein Kommissionierweg?

Der Kommissionierweg ist die Strecke, die ein Kommissionierer für einen Auftrag zurücklegt, von der Basis über alle Entnahmeplätze zurück zur Basis. Seine Länge bestimmt die Wegzeit, die ein Teil der Kommissionierzeit ist.

Wie lassen sich Wege in der Kommissionierung verkürzen?

Wirksam sind eine passende Wegstrategie, die Lagerung von Schnelldrehern nahe der Basis, das gemeinsame Kommissionieren mehrerer Aufträge und eine Aufteilung des Lagers in Zonen. Welche Maßnahme am meisten bringt, zeigt eine Auswertung der tatsächlich gelaufenen Wege.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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