Logistik lexikon

Umweltschutz in der Logistik: Maßnahmen und KPIs

Umweltschutz in der Logistik: welche Belastungen entstehen, Maßnahmen in Transport, Lager und Verpackung, Kennzahlen und CO2-Bilanz nach ISO 14083.

Umweltschutz in der Logistik umfasst alle Maßnahmen, mit denen Transport, Umschlag, Lagerung und Verpackung die Umwelt weniger belasten. Im Mittelpunkt stehen Treibhausgase, Luftschadstoffe, Lärm, Energieverbrauch und Abfall. Wirksam sind vor allem eine höhere Auslastung, weniger Leerfahrten, die Verlagerung auf Bahn und Schiff und emissionsarme Antriebe.

Was bedeutet Umweltschutz in der Logistik?

Umweltschutz in der Logistik bezeichnet das Ziel, die Umweltwirkungen logistischer Prozesse zu messen und zu verringern. Das betrifft den Gütertransport ebenso wie Lager, Umschlag und Verpackung. Der Begriff überschneidet sich stark mit Green Logistics. Dieser englische Begriff beschreibt meist die Gesamtstrategie eines Unternehmens, während Umweltschutz die einzelnen Umweltwirkungen und Maßnahmen in den Blick nimmt. Nachhaltige Logistik geht noch weiter und schließt auch soziale und wirtschaftliche Aspekte ein.

Welche Umweltbelastungen verursacht die Logistik?

  • Treibhausgase: vor allem CO2 aus Dieselkraftstoff im Straßengüterverkehr, außerdem aus dem Strom- und Wärmeverbrauch von Lagern
  • Luftschadstoffe: Stickoxide und Feinstaub aus Verbrennungsmotoren
  • Lärm: durch Lkw-Verkehr, Umschlag und Anlieferungen in Wohngebieten
  • Flächenverbrauch: durch Lagerhallen, Umschlaganlagen und Verkehrswege
  • Abfall: durch Einwegverpackungen, Folien und beschädigte Ladungsträger

Welche Maßnahmen für Umweltschutz in der Logistik gibt es?

Transport: Eine gute Tourenplanung, eine hohe Auslastung durch Laderaumoptimierung und weniger Leerfahrten senken den Kraftstoffverbrauch je transportierter Tonne. Die Verlagerung langer Strecken auf Bahn und Binnenschiff im kombinierten Verkehr verschiebt den Modal Split zugunsten emissionsärmerer Verkehrsträger. Hinzu kommen emissionsarme Antriebe wie batterieelektrische Lkw im Verteilerverkehr, Schulungen für eine vorausschauende Fahrweise sowie Reifen und Aufbauten mit geringerem Roll- und Luftwiderstand.

Lager und Umschlag: Photovoltaik auf Hallendächern, LED-Beleuchtung, elektrische Flurförderzeuge und eine gute Gebäudedämmung senken den Energiebedarf. Kurze Wege im Lager sparen zusätzlich Energie und Zeit.

Verpackung und Ladungsträger: Mehrwegbehälter, getauschte Paletten, passende Kartongrößen und weniger Füllmaterial vermeiden Abfall und Transportvolumen.

Prozesse und Daten: Elektronische Dokumente wie der eCMR ersetzen Papier. Wichtiger ist, dass Aufträge vollständig und korrekt im TMS stehen. Nur mit richtigen Gewichten, Maßen und Adressen aus der Auftragserfassung lassen sich Sendungen bündeln und Emissionen sauber zuordnen.

Welche Kennzahlen (KPIs) gibt es für den Umweltschutz in der Logistik?

  • CO2e-Emissionen je Sendung, je Tonnenkilometer oder je Kunde
  • Auslastungsgrad der Fahrzeuge nach Gewicht, Volumen oder Lademetern
  • Anteil der Leerkilometer an der gesamten Fahrleistung
  • Kraftstoff- oder Energieverbrauch je 100 Kilometer, getrennt nach Fahrzeugtyp
  • Energieverbrauch je Quadratmeter Lagerfläche
  • Abfallmenge und Recyclingquote bei Verpackungen

CO2e steht für CO2-Äquivalente. Darin werden andere Treibhausgase entsprechend ihrer Klimawirkung in CO2 umgerechnet.

Wie werden Emissionen in der Logistik berechnet?

Für die Berechnung von Treibhausgasemissionen in Transportketten gibt es die Norm DIN EN ISO 14083. Sie legt fest, wie Emissionen aus Transport und Umschlag ermittelt, auf einzelne Sendungen verteilt und berichtet werden. Das GLEC Framework des Smart Freight Centre ist ein Branchenleitfaden, der auf diese Norm abgestimmt ist. Grundlage sind Sendungsdaten wie Gewicht, Strecke, Verkehrsträger und Fahrzeugtyp.

Für Verlader zählen Transporte durch Dienstleister zu den indirekten Scope-3-Emissionen. In Deutschland enthält die Lkw-Maut seit Dezember 2023 außerdem einen CO2-Aufschlag, der von der Emissionsklasse des Fahrzeugs abhängt. Emissionsarme Fahrzeuge werden dadurch auch wirtschaftlich interessanter.

Beispiel: Umweltschutz in einer Spedition

Eine mittelständische Spedition im Teilladungsverkehr will Emissionen senken und ihren Kunden belastbare CO2-Werte liefern. Sie wertet zuerst aus, auf welchen Relationen ihre Lkw leer zurückfahren, und plant dort feste Rückladungen ein. Regelmäßige Langstreckenverkehre zwischen zwei Terminals verlagert sie in den kombinierten Verkehr, im Nahbereich setzt sie Elektro-Lkw ein. Die Emissionen berechnet sie nach ISO 14083 aus den Auftragsdaten im TMS und weist sie je Sendung aus.

Häufige Fragen

Welche Gesetze gelten für den Umweltschutz in der Logistik?

Ein eigenes Umweltgesetz für die Logistik gibt es nicht. Relevant sind unter anderem die Abgasnormen für Fahrzeuge, Umweltzonen, das Bundes-Immissionsschutzgesetz für bestimmte Anlagen, das Verpackungsgesetz und die CO2-abhängige Lkw-Maut.

Was ist ein Umweltmanagementsystem in der Logistik?

Ein Umweltmanagementsystem legt Ziele, Zuständigkeiten und Abläufe fest, um Umweltwirkungen systematisch zu erfassen und zu verringern. Verbreitet sind die Norm ISO 14001 und das EU-System EMAS. Beide sind freiwillig, können aber von Kunden in Ausschreibungen gefordert werden.

Was bedeutet CO2-neutraler Transport?

Meist heißt das, dass die Emissionen eines Transports berechnet und über Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Die Emissionen selbst entstehen trotzdem. Aussagekräftiger ist, wie viel tatsächlich vermieden oder verringert wurde.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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