Logistik lexikon

Kombinierter Verkehr (KV): Definition, Vorteile & Regeln

Fachartikel: Kombinierter Verkehr – Effizienz durch kluge Transportwahl

Der Kombinierte Verkehr (KV) ist eine spezielle Form des intermodalen Verkehrs. Während beim intermodalen Verkehr allgemein verschiedene Verkehrsträger genutzt werden, unterliegt der Kombinierte Verkehr einer strengeren rechtlichen Definition: Der Großteil der zurückgelegten Strecke (der Hauptlauf) erfolgt per Eisenbahn, Binnen- oder Seeschiff. Der Straßentransport wird lediglich für den Vorlauf (Abholung) und den Nachlauf (Zustellung) genutzt und muss so kurz wie möglich gehalten werden. Ziel des KV ist es, die Flexibilität des LKW auf der „letzten Meile“ mit der hohen Kapazität und Umweltfreundlichkeit der Schiene oder des Wassers auf der Langstrecke zu vereinen.

Funktionsweise & Details: Die 44-Tonnen-Regelung und rechtliche Rahmenbedingungen

Ein wesentlicher Anreiz für Unternehmen, den Kombinierten Verkehr zu nutzen, sind gesetzliche Sonderregelungen, die im reinen Straßengüterverkehr nicht gelten.

Rechtliche Kriterien des KV

Damit ein Transport offiziell als „Kombinierter Verkehr“ gilt, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:

  • Hauptlauf: Muss über Schiene, Binnen- oder Seeschifffahrt erfolgen.
  • Vor- und Nachlauf: Der Straßentransport zum nächstgelegenen geeigneten Bahnhof oder Hafen darf einen Radius von meist 150 km Luftlinie nicht überschreiten.
  • Ladeeinheiten: Es werden standardisierte Einheiten wie ISO-Container, Wechselbrücken oder kranbare Sattelauflieger verwendet.

Die Vorteile der 44-Tonnen-Regelung

In Deutschland liegt das zulässige Gesamtgewicht für LKW normalerweise bei 40 Tonnen. Im Kombinierten Verkehr ist jedoch ein maximales Gesamtgewicht von 44 Tonnen erlaubt. Dieser Gewichtsvorteil ermöglicht es Verladern, ca. 10 % mehr Ware pro Ladeeinheit zu transportieren, was die Wirtschaftlichkeit massiv steigert. Zudem sind KV-Transporte in vielen Fällen von der Kfz-Steuer befreit oder erhalten Erstattungen.

[Image: A infographic showing the weight limit difference: 40t for standard road transport vs. 44t for Combined Transport, with a train in the middle]

Praxis-Relevanz: Warum der KV das Rückgrat der grünen Logistik ist

Für Speditionen und Industriebetriebe ist der Kombinierte Verkehr ein entscheidendes Instrument, um Klimaziele zu erreichen und dem Fahrermangel entgegenzuwirken.

Die zentralen Vorteile

  • Umweltschutz: Ein Güterzug verursacht im Vergleich zum LKW bis zu 80 % weniger CO2-Emissionen pro Tonnenkilometer.
  • Entlastung der Straßen: Ein einziger Zug kann bis zu 50 LKW-Ladungen aufnehmen, was Staus reduziert und die Infrastruktur schont.
  • Umgehung von Fahrverboten: Der Vor- und Nachlauf im Kombinierten Verkehr ist oft von Sonn- und Feiertagsfahrverboten ausgenommen, was die Flexibilität in der Transportplanung erhöht.
  • Kostenvorteil auf Langstrecken: Ab Distanzen von ca. 400 bis 500 km ist der KV trotz der zusätzlichen Umschlagskosten oft preislich konkurrenzfähig zum reinen LKW-Transport.

Herausforderungen

Die größte Hürde ist die Verfügbarkeit von Kapazitäten im Schienennetz und die Leistungsfähigkeit der Terminals (z. B. in einem GVZ). Zudem erfordert die Planung eine hohe IT-Affinität, da die Ankunftszeiten (ETA) der Züge genau mit dem Nachlauf-LKW synchronisiert werden müssen. Hier helfen moderne TMS-Lösungen, die intermodale Ketten nahtlos abbilden.

Fazit

Der Kombinierte Verkehr ist weit mehr als nur eine logistische Alternative; er ist die Antwort auf die ökologischen und infrastrukturellen Herausforderungen unserer Zeit. Durch die intelligente Verknüpfung der Verkehrsträger und die Nutzung der 44-Tonnen-Regelung schaffen Unternehmen eine Win-win-Situation: Sie senken ihre Kosten pro Einheit und verbessern gleichzeitig ihre CO2-Bilanz. Wer heute in KV-fähige Ladeeinheiten investiert, stellt die Weichen für eine zukunftssichere und nachhaltige Logistikstrategie.

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