Logistik lexikon

Zugewiesener Bestand: Reservierung und Verfügbarkeit

Zugewiesener Bestand: Unterschied zu physischem und verfügbarem Bestand, harte und weiche Reservierung, Berechnung und typische Fehlerquellen.

Zugewiesener Bestand ist der Teil des physischen Lagerbestands, der bereits einem Kundenauftrag, Fertigungsauftrag oder einem anderen Bedarf fest zugeordnet ist. Die Ware liegt noch im Lager, steht für neue Aufträge aber nicht mehr zur Verfügung. Gleichbedeutend sind die Begriffe reservierter Bestand, Vormerkbestand und Allocated Stock.

Was ist zugewiesener Bestand?

Zugewiesener Bestand bezeichnet Ware, die physisch noch im Lager liegt, aber bereits für einen bestimmten Bedarf vorgesehen ist. Typische Bedarfe sind Kundenaufträge, Fertigungsaufträge oder Umlagerungen in ein anderes Lager. Gleichbedeutend werden die Begriffe reservierter Bestand, Reservierungsbestand, Vormerkbestand oder im Englischen Allocated Stock verwendet. Im Bestandsmanagement ist er eine von mehreren Bestandsarten, die ein ERP- oder Lagerverwaltungssystem getrennt ausweist.

Abzugrenzen ist der zugewiesene Bestand von diesen Bestandsarten:

  • Physischer Bestand: die Menge, die tatsächlich im Lager liegt. Der Buchbestand ist die Menge, die laut System vorhanden sein müsste. Abweichungen zwischen beiden zeigt die Inventur.
  • Verfügbarer Bestand: die Menge, die für neue Aufträge noch zugesagt werden kann. Im Englischen spricht man von Available to Promise (ATP).
  • Sperrbestand: Ware, die zum Beispiel wegen einer Qualitätsprüfung oder einer Beschädigung nicht verwendet werden darf. Sie ist nicht zugewiesen, sondern blockiert.
  • Sicherheitsbestand: eine Reserve für Bedarfsschwankungen und Lieferverzögerungen, die keinem bestimmten Auftrag gehört.

Wie berechnet man den verfügbaren Bestand?

Im einfachsten Fall gilt: verfügbarer Bestand gleich physischer Bestand minus zugewiesener Bestand. Liegen 500 Kartons eines Artikels im Lager und sind 120 davon für offene Kundenaufträge reserviert, können noch 380 Kartons neu zugesagt werden. Der physische Bestand ändert sich durch die Reservierung nicht.

In der Materialwirtschaft wird der verfügbare Bestand auch weiter gefasst: Lagerbestand plus Bestellbestand (offene Bestellungen beim Lieferanten) minus Vormerkbestand minus Sicherheitsbestand. Diese Rechnung zeigt, ob ein Bedarf auch unter Berücksichtigung bereits bestellter Ware gedeckt ist. Ergibt sich ein negativer Wert, droht eine Fehlmenge.

Wie funktioniert die Zuweisung von Bestand?

  1. Bedarf entsteht: Ein Kundenauftrag, ein Fertigungsauftrag oder ein Auslagerungsauftrag wird im System angelegt.
  2. Verfügbarkeitsprüfung: Das System prüft, ob genügend verfügbarer Bestand vorhanden ist.
  3. Reservierung: Die benötigte Menge wird dem Auftrag zugewiesen und vom verfügbaren Bestand abgezogen.
  4. Kommissionierung: Das Lagerverwaltungssystem (WMS) erzeugt einen Pickauftrag für konkrete Lagerplätze, und die Ware wird bei der Kommissionierung entnommen.
  5. Warenausgang: Mit der Warenausgangsbuchung sinken physischer und zugewiesener Bestand um dieselbe Menge.

Wird ein Auftrag storniert oder geändert, muss die Reservierung aufgehoben oder angepasst werden. Sonst bleibt Ware gebunden, obwohl kein Bedarf mehr besteht.

Was ist der Unterschied zwischen harter und weicher Zuweisung?

Bei einer weichen Zuweisung reserviert das System nur eine Menge, ohne festzulegen, welche Paletten oder Lagerplätze verwendet werden. Das lässt dem Lager Spielraum, etwa um nach dem FIFO-Prinzip oder nach kurzen Wegen zu kommissionieren.

Bei einer harten Zuweisung wird ein konkreter Lagerplatz, eine bestimmte Charge oder eine Seriennummer gebunden. Das ist nötig, wenn ein Kunde eine bestimmte Charge verlangt, wenn Mindesthaltbarkeitsdaten eingehalten werden müssen oder wenn Ware für einen Termin bereits in einer Bereitstellungszone steht. Harte Zuweisungen schränken die Flexibilität im Lager ein und sind deshalb dort sinnvoll, wo sie fachlich nötig sind.

Welche Fehler treten bei Reservierungen häufig auf?

  • Verwaiste Reservierungen: Stornierte oder nie ausgelieferte Aufträge halten Ware fest. Systeme können deshalb Fristen vorsehen, nach denen Reservierungen geprüft oder automatisch aufgehoben werden.
  • Bestandsdifferenzen: Stimmt der Buchbestand nicht mit dem physischen Bestand überein, ist auch der verfügbare Bestand falsch. Saubere Buchungen im Wareneingang und regelmäßige Inventuren sind die Grundlage.
  • Mehrere Verkaufskanäle: Greifen ein Onlineshop, ein Marktplatz und der Außendienst auf denselben Bestand zu, ohne Reservierungen zeitnah abzugleichen, kann dieselbe Ware doppelt verkauft werden.
  • Späte Erfassung: Je später ein Auftrag im System angelegt wird, desto später wird Ware reserviert. In der Zwischenzeit kann sie bereits einem anderen Auftrag zugesagt worden sein.

Beispiel: Zugewiesener Bestand in der Kontraktlogistik

Ein Logistikdienstleister betreibt für einen Händler ein Lager. Der Händler übermittelt morgens eine Liste mit Auslieferaufträgen. Sobald die Aufträge im WMS angelegt sind, wird die Ware zugewiesen. Für einen Kunden, der eine bestimmte Charge verlangt, wird diese hart reserviert. Für die übrigen Positionen wählt das System die Lagerplätze erst beim Erstellen der Pickliste. Nach der Verladung bucht der Warenausgang die Mengen ab, und der zugewiesene Bestand dieser Aufträge sinkt auf null. Der Händler sieht in den Bestandsmeldungen, wie viel Ware noch frei verfügbar ist, und plant seine Nachbestellungen im Rahmen des Lieferkettenmanagements danach.

Häufige Fragen

Was bedeutet reservierter Bestand?

Reservierter Bestand ist ein anderer Begriff für zugewiesenen Bestand. Gemeint ist Ware, die im Lager liegt, aber bereits einem Auftrag zugeordnet ist und deshalb nicht erneut verkauft werden kann.

Zählt zugewiesener Bestand zum Lagerbestand?

Ja. Zugewiesene Ware liegt physisch im Lager und ist Teil des Lagerbestands. Erst mit der Warenausgangsbuchung verlässt sie den Bestand.

Wann wird eine Reservierung aufgehoben?

Eine Reservierung endet regulär mit dem Warenausgang. Sie wird außerdem aufgehoben, wenn der Auftrag storniert oder die Menge geändert wird oder wenn die Reservierung nach einer festgelegten Frist manuell oder automatisch freigegeben wird.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

Verwandte Begriffe

GM-DocuStream

Transportaufträge aus E-Mails automatisch ins TMS übernehmen

GM-DocuStream liest Auftragsmails, PDF-Anhänge und Excel-Listen aus, prüft sie gegen Ihre Stammdaten und übergibt den Auftrag nach der Freigabe an Ihr Speditionsprogramm.