Logistik lexikon

Compliance-Zertifikat: ISO 37301, ISO 37001 und AEO

Compliance-Zertifikat: welche Zertifizierungen dahinterstehen (ISO 37301, ISO 37001), wie das Audit abläuft und Abgrenzung zu ISO 9001 und AEO.

Compliance-Zertifikat ist kein feststehender Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für Nachweise, dass ein Unternehmen Regeln einhält. Fachlich gemeint ist damit die Zertifizierung eines Compliance-Management-Systems nach ISO 37301 oder eines Antikorruptionsmanagementsystems nach ISO 37001, die eine unabhängige Zertifizierungsstelle nach einem Audit ausstellt.

Was ist ein Compliance-Zertifikat?

Ein Compliance-Zertifikat ist kein Begriff aus einem Gesetz oder einer Norm. Compliance bedeutet die Einhaltung von Gesetzen und internen Regeln. Ein Zertifikat bestätigt, dass eine unabhängige Stelle ein Unternehmen oder ein Managementsystem nach festgelegten Anforderungen geprüft hat. Unter dem Begriff Compliance-Zertifikat werden deshalb verschiedene Nachweise zusammengefasst:

  • Zertifikat über ein Compliance-Management-System (CMS) nach ISO 37301. Das ist die engste und fachlich treffendste Bedeutung.
  • Zertifikat über ein Antikorruptionsmanagementsystem nach ISO 37001.
  • Weitere Nachweise, die Kunden in Lieferantenabfragen unter dem Stichwort Compliance verlangen, etwa Zertifikate nach ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 27001 und der AEO-Status.

Nicht gemeint ist die Konformitätsbescheinigung für Produkte (Certificate of Conformity), die bestätigt, dass eine Ware bestimmte technische Anforderungen erfüllt.

Welche Normen gibt es für Compliance-Management-Systeme?

ISO 37301 legt Anforderungen an Compliance-Management-Systeme fest. Die Norm wurde 2021 veröffentlicht und hat den Leitfaden ISO 19600 ersetzt. Anders als dieser ist sie zertifizierbar. Gefordert sind unter anderem eine Analyse der Compliance-Pflichten und -Risiken, eine Compliance-Politik, klare Zuständigkeiten, Schulungen, Meldewege für Hinweise, Kontrollen und laufende Verbesserung.

ISO 37001 regelt Managementsysteme zur Korruptionsbekämpfung. Beide Normen folgen den gemeinsamen Grundsätzen der ISO-Managementsystemnormen und dem PDCA-Zyklus aus Planen, Umsetzen, Prüfen und Verbessern. Sie lassen sich deshalb kombinieren und in ein bestehendes Qualitätsmanagement einbinden.

Daneben prüfen Wirtschaftsprüfer Compliance-Management-Systeme nach dem Prüfungsstandard IDW PS 980. Das Ergebnis ist ein Prüfungsbericht, keine Zertifizierung im Sinne der ISO-Normen.

Wie läuft eine Zertifizierung nach ISO 37301 ab?

  1. Aufbau des CMS: Risikoanalyse, Richtlinien wie ein Code of Conduct, Schulungen und Meldewege
  2. Internes Audit und Bewertung durch die Geschäftsleitung
  3. Zertifizierungsaudit in zwei Stufen: zuerst eine Systemanalyse, ob das CMS zertifizierungsreif ist, danach die Prüfung der Wirksamkeit vor Ort
  4. Ausstellung des Zertifikats für höchstens drei Jahre
  5. Jährliche Überwachungsaudits und Rezertifizierung nach Ablauf

Was ist der Unterschied zwischen Compliance-Zertifikat, ISO 9001 und AEO?

  • ISO 37301 und ISO 37001 betreffen die Einhaltung von Regeln und die Vermeidung von Korruption.
  • ISO 9001 betrifft das Qualitätsmanagement, also die verlässliche Erbringung der vereinbarten Leistung.
  • IFS Logistics betrifft Produktsicherheit und Hygiene beim Transport und bei der Lagerung von Lebensmitteln.
  • AEO (Zugelassener Wirtschaftsbeteiligter) ist keine private Zertifizierung, sondern eine Bewilligung der Zollverwaltung nach dem Unionszollkodex. Umgangssprachlich wird sie oft AEO-Zertifikat genannt.

Zertifikate nach ISO-Normen stellen private Zertifizierungsstellen aus. Den AEO-Status vergibt der Zoll auf Antrag.

Was bringt ein Compliance-Zertifikat einer Spedition?

Eine gesetzliche Pflicht zur Zertifizierung gibt es nicht. Nachweise zu Compliance werden aber in Lieferantenabfragen und in der Logistikausschreibung abgefragt. Ein Zertifikat kann dort zeigen, dass Regeln nicht nur auf dem Papier stehen, sondern geprüft wurden. Zugleich zwingt der Aufbau eines CMS dazu, Zuständigkeiten und Abläufe festzulegen.

Die Grenzen sind ebenso klar: Ein Zertifikat belegt, dass ein Managementsystem zum Zeitpunkt des Audits die Anforderungen der Norm erfüllt hat. Es beweist nicht, dass im Unternehmen keine Verstöße vorkommen, und es befreit die Geschäftsleitung nicht von ihrer Aufsichtspflicht (§ 130 OWiG).

Umgekehrt verwalten Speditionen die Nachweise ihrer eigenen Subunternehmer, etwa Lizenz, Versicherung und Zertifikate mit Ablaufdatum. Diese Daten gehören in die Stammdaten, damit abgelaufene Nachweise vor der Vergabe eines Auftrags auffallen.

Häufige Fragen

Ist ein Compliance-Zertifikat Pflicht?

Nein. Kein Gesetz schreibt Unternehmen eine Zertifizierung ihres Compliance-Managements vor. Kunden können ein Zertifikat aber vertraglich oder als Voraussetzung für eine Ausschreibung verlangen.

Wer stellt ein Compliance-Zertifikat aus?

Zertifikate nach ISO 37301 oder ISO 37001 stellen Zertifizierungsstellen nach einem Audit aus. Wirtschaftsprüfer prüfen Compliance-Management-Systeme nach IDW PS 980 und erstellen darüber einen Prüfungsbericht. Behörden stellen keine allgemeinen Compliance-Zertifikate aus; der AEO-Status ist eine zollrechtliche Bewilligung.

Wie lange ist ein Zertifikat nach ISO 37301 gültig?

Das Zertifikat wird für höchstens drei Jahre ausgestellt. In dieser Zeit finden jährliche Überwachungsaudits statt. Danach ist eine Rezertifizierung nötig.

Was kostet eine Compliance-Zertifizierung?

Die Kosten hängen von Größe, Zahl der Standorte, Risikoprofil und Vorbereitung des Unternehmens ab, weil sich danach der Auditaufwand richtet. Hinzu kommt der interne Aufwand für den Aufbau des Systems. Verlässliche Zahlen liefert nur ein Angebot der Zertifizierungsstelle.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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