Logistik lexikon

Lagerstrategien: Einlagerung, Auslagerung, Nachschub

Lagerstrategien im Überblick: Festplatz und chaotische Lagerhaltung, FIFO, LIFO und FEFO, Querverteilung, ABC-Zonung und Nachschub.

Lagerstrategien sind die Regeln, nach denen ein Lager Waren auf Lagerplätze verteilt, wieder entnimmt und nachfüllt. Man unterscheidet Einlagerungsstrategien wie Festplatz oder chaotische Lagerhaltung, Auslagerungsstrategien wie FIFO, LIFO und FEFO sowie Nachschubstrategien. Hinterlegt werden sie im Lagerverwaltungssystem. Ziel sind kurze Wege, gute Platzausnutzung und ein Bestand ohne überalterte Ware.

Was sind Lagerstrategien?

Lagerstrategien, auch Lagerhaltungsstrategien genannt, legen fest, auf welchen Platz eine Ware eingelagert wird, welche Einheit bei einem Auftrag zuerst entnommen wird und wann Nachschub ausgelöst wird. Sie werden im Lagerverwaltungssystem (LVS oder WMS) hinterlegt und können je Artikel, Lagerbereich oder Lagertyp unterschiedlich eingestellt sein. Welche Strategie passt, hängt von der Ware, der Regaltechnik und den Vorgaben der Kunden ab.

Abzugrenzen sind Lagerstrategien von Bewertungsverfahren in der Buchhaltung. Wenn dort von FIFO oder LIFO die Rede ist, geht es um den Wertansatz des Vorratsvermögens in der Bilanz. Nach § 256 HGB darf dafür unterstellt werden, dass die zuerst oder die zuletzt angeschafften Gegenstände zuerst verbraucht oder veräußert wurden. Wie die Ware im Lager tatsächlich entnommen wird, ist davon unabhängig.

Welche Einlagerungsstrategien gibt es?

  • Festplatzlagerung: Jeder Artikel hat einen festen Lagerplatz. Mitarbeiter finden die Ware auch ohne System. Dafür bleiben reservierte Plätze leer, wenn der Bestand eines Artikels sinkt.
  • Freiplatzlagerung: Die Ware kommt auf einen beliebigen freien und geeigneten Platz. Diese Form heißt auch chaotische Lagerhaltung. Sie nutzt die Lagerfläche besser aus, setzt aber eine lückenlose Platzverwaltung im System voraus.
  • Zonung: Das Lager wird in Zonen eingeteilt, zum Beispiel nach Zugriffshäufigkeit auf Grundlage einer ABC-Analyse. Schnelldreher liegen nahe an Kommissionierung und Versand, selten benötigte Artikel weiter entfernt. Zonen lassen sich auch nach Temperaturbereich, Gewicht oder den Vorgaben zur Zusammenlagerung von Gefahrstoffen bilden.
  • Querverteilung: Die Einheiten eines Artikels werden auf mehrere Gassen verteilt, etwa in einem automatischen Hochregallager. Eine neue Einheit kommt in die Gasse, in der von diesem Artikel am wenigsten lagert. Fällt ein Regalbediengerät aus, bleibt der Artikel über die anderen Gassen erreichbar.

Die Strategien lassen sich kombinieren, zum Beispiel feste Kommissionierplätze in der Greifzone und ein chaotisch belegtes Reservelager darüber.

Welche Auslagerungsstrategien gibt es?

  • FIFO (First In, First Out): Die zuerst eingelagerte Einheit wird zuerst entnommen. So veraltet keine Ware im Lager. Baulich unterstützt das ein Durchlauflager, in dem auf einer Seite eingelagert und auf der anderen Seite entnommen wird.
  • LIFO (Last In, First Out): Die zuletzt eingelagerte Einheit wird zuerst entnommen. Das ergibt sich zwangsläufig in Lagern mit nur einer Bedienseite, etwa im Blocklager oder im Einfahrregal. Geeignet ist LIFO nur für Ware, die nicht altert oder verdirbt.
  • FEFO (First Expired, First Out): Entscheidend ist nicht der Eingang, sondern das Mindesthaltbarkeits- oder Verfallsdatum. Die Einheit, die zuerst abläuft, wird zuerst entnommen. Das ist wichtig für Lebensmittel und Arzneimittel. Voraussetzung ist, dass das Datum bereits im Wareneingang erfasst wird.

Daneben gibt es mengen- und wegorientierte Regeln. Ein System kann zum Beispiel angebrochene Paletten vor vollen Paletten auslagern oder den Platz mit dem kürzesten Weg wählen.

Wie funktionieren Nachschubstrategien?

Nachschub hat im Lager zwei Ebenen. Intern geht es um den Nachschub vom Reservelager an den Kommissionierplatz. Er wird ausgelöst, wenn der Bestand am Kommissionierplatz eine festgelegte Mindestmenge unterschreitet, oder vorab für bereits bekannte Aufträge.

Extern geht es um die Wiederbeschaffung beim Lieferanten. Hier gibt es zwei Grundverfahren:

  • Bestellpunktverfahren: Bestellt wird, sobald der Bestand den Meldebestand erreicht. Der Meldebestand setzt sich aus dem Sicherheitsbestand und dem Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit zusammen. Die Berechnung beschreibt der Eintrag zum optimalen Bestellzeitpunkt. Das Verfahren eignet sich bei schwankendem Bedarf.
  • Bestellrhythmusverfahren: Bestellt wird in festen Zeitabständen, unabhängig vom aktuellen Bestand. Die Menge ist entweder fest oder füllt bis zu einem Sollbestand auf. Das Verfahren eignet sich bei gleichmäßigem Bedarf.

Welche Lagerstrategien passen zu welchem Lager?

  • Haltbarkeit: Ware mit Mindesthaltbarkeits- oder Verfallsdatum verlangt FEFO, alternde Ware ohne Datum FIFO.
  • Regaltechnik: Die Bauart gibt die Reihenfolge teilweise vor. Einseitig bediente Kanäle führen zu LIFO, Durchlaufkanäle zu FIFO.
  • Sortiment und Zugriffshäufigkeit: Bei vielen Artikeln mit unterschiedlicher Nachfrage verkürzt eine Zonung die Wege.
  • IT: Chaotische Lagerhaltung, Querverteilung und FEFO sind ohne Lagerverwaltungssystem nicht zuverlässig umsetzbar.
  • Kundenvorgaben: In der Kontraktlogistik können Auftraggeber Chargen- oder Datumsregeln vorgeben, die das Lager einhalten muss.

Beispiel aus der Kontraktlogistik

Eine Spedition lagert für einen Lebensmittelhersteller palettierte Ware. Im Wareneingang werden Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum jeder Palette erfasst. Das Reservelager im Palettenregal wird chaotisch belegt, die Kommissionierplätze in der untersten Ebene sind fest vergeben, Schnelldreher liegen nahe am Versandtor. Ausgelagert wird nach FEFO. Unterschreitet ein Kommissionierplatz seine Mindestmenge, erzeugt das System einen Nachschubauftrag aus dem Reservelager. Die kommissionierten Sendungen gehen anschließend als Transportaufträge in das Speditionsprogramm über.

Rechtsgrundlagen

  • § 256 HGB: Bewertungsvereinfachungsverfahren, Verbrauchsfolge FIFO und LIFO für die Bewertung des Vorratsvermögens

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen FIFO und FEFO?

Bei FIFO wird die Ware entnommen, die am längsten im Lager liegt. Bei FEFO wird die Ware entnommen, deren Mindesthaltbarkeits- oder Verfallsdatum zuerst erreicht ist. Bei Ware mit unterschiedlichen Haltbarkeiten kann eine später eingelagerte Palette früher ablaufen, deshalb ist FEFO dort die genauere Regel.

Was bedeutet Festplatzsystem im Lager?

Beim Festplatzsystem ist jedem Artikel dauerhaft ein bestimmter Lagerplatz zugeordnet. Das erleichtert die Orientierung, auch ohne Software. Nachteilig ist, dass reservierte Plätze leer bleiben, wenn der Bestand sinkt.

Braucht man für Lagerstrategien ein Lagerverwaltungssystem?

Ein einfaches Festplatzsystem mit FIFO lässt sich auch ohne Software organisieren. Chaotische Lagerhaltung, FEFO mit vielen Chargen oder eine Querverteilung über mehrere Gassen setzen dagegen voraus, dass ein System jeden Platz und jede Einheit kennt.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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