Logistik lexikon

Schwerlasttransport: Grenzwerte und Genehmigung

Schwerlasttransport: ab wann Großraum- und Schwertransporte vorliegen, welche Genehmigungen nach StVO und StVZO nötig sind und wie VEMAGS abläuft.

Ein Schwerlasttransport ist die Beförderung von Gütern auf der Straße, bei der Fahrzeug oder Ladung die zulässigen Abmessungen, Achslasten oder Gesamtgewichte überschreiten. Er braucht eine Erlaubnis oder Ausnahmegenehmigung nach StVO und StVZO. Je nach Überschreitung spricht man von Großraum- oder Schwertransport.

Was ist ein Schwerlasttransport?

Ein Schwerlasttransport ist die Beförderung von Gütern auf der Straße, bei der Fahrzeug oder Ladung die gesetzlich zulässigen Abmessungen, Achslasten oder Gesamtgewichte überschreiten. Er darf nur mit behördlicher Erlaubnis oder Ausnahmegenehmigung fahren. Beispiele für Ladungen sind Transformatoren, Bau- und Industriemaschinen, Brückenteile, Fertigbauteile oder Komponenten von Windenergieanlagen.

Im Sprachgebrauch der Behörden wird zwischen zwei Fällen unterschieden, die auch gemeinsam auftreten können:

  • Großraumtransport: Breite, Höhe oder Länge überschreiten die Grenzwerte.
  • Schwertransport: Gesamtgewicht oder Achslasten überschreiten die Grenzwerte.

Zusammen spricht man von Großraum- und Schwertransporten (GST) oder Großraum- und Schwerverkehr. Schwerlasttransport und Sondertransport werden auch als Oberbegriffe verwendet. Das beförderte Gut selbst heißt Schwergut.

Ab wann ist ein Transport ein Schwerlasttransport?

Maßgeblich sind die Grenzwerte der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) und der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Die wichtigsten Werte für Lkw:

  • Breite: 2,55 Meter, bei Kühlaufbauten mit isolierten Wänden 2,60 Meter (§ 32 StVZO)
  • Höhe: 4,00 Meter (§ 32 StVZO)
  • Länge: 12,00 Meter für Einzelfahrzeuge, 16,50 Meter für Sattelkraftfahrzeuge, 18,75 Meter für Lastzüge (§ 32 StVZO)
  • Gesamtgewicht: für Fahrzeugkombinationen mit mehr als vier Achsen 40 Tonnen, im Vor- und Nachlauf des kombinierten Verkehrs unter bestimmten Voraussetzungen 44 Tonnen (§ 34 StVZO)
  • Achslast: 10 Tonnen für Einzelachsen, 11,5 Tonnen für angetriebene Achsen (§ 34 StVZO)

Für die Ladung gelten zusätzlich die Vorgaben des § 22 StVO, etwa zu Breite, Höhe und Überstand. Ein Schwerlasttransport wird grundsätzlich nur genehmigt, wenn die Ladung unteilbar ist, also nicht ohne unverhältnismäßigen Aufwand auf mehrere normale Transporte aufgeteilt werden kann.

Welche Genehmigungen braucht ein Schwerlasttransport?

Welche Genehmigung nötig ist, hängt davon ab, ob das Fahrzeug, die Ladung oder beides die Grenzwerte überschreitet:

  • Fahrzeug überschreitet die Grenzwerte: Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO für das Fahrzeug und Erlaubnis nach § 29 Abs. 3 StVO für die übermäßige Straßenbenutzung.
  • Nur die Ladung überschreitet die Grenzwerte: Ausnahmegenehmigung nach § 46 Abs. 1 Nr. 5 StVO.
  • Fahrzeug und Ladung überschreiten die Grenzwerte: beide Genehmigungen, die gemeinsam beantragt und in einem Bescheid erteilt werden können.

Erlaubnisse können für eine einzelne Fahrt auf einer festgelegten Strecke oder als Dauererlaubnis für wiederkehrende Transporte innerhalb bestimmter Maße und Gewichte erteilt werden. Zuständig sind die Straßenverkehrsbehörden.

Wie läuft die Antragstellung über VEMAGS ab?

Anträge werden in Deutschland über VEMAGS gestellt, das bundesweite Online-Verfahren für Großraum- und Schwertransporte. Der Antragsteller gibt Fahrzeugdaten, Abmessungen, Gewichte, Achslasten und die gewünschte Strecke ein. Die Genehmigungsbehörde beteiligt über das System die Straßenbaulastträger und gegebenenfalls Polizei und weitere Behörden entlang der Strecke. Diese prüfen unter anderem Brücken, Durchfahrtshöhen und Engstellen.

Der Bescheid enthält Auflagen, zum Beispiel zur Fahrtroute, zu erlaubten Fahrzeiten, zum Überfahren von Brücken und zur Begleitung. Müssen Brücken statisch nachgerechnet werden, dauert es länger.

Welche Fahrzeuge und welche Begleitung werden eingesetzt?

Je nach Ladung kommen Tieflader und Semitieflader, ausziehbare Auflieger wie der Telesattel, Innenlader, Kesselbrücken oder modulare Schwerlastfahrzeuge mit vielen Achsen zum Einsatz. Mehr Achsen verteilen das Gewicht und senken die Achslasten. Gelenkte Nachläufer verbessern die Kurvenfahrt.

Ob und wie ein Transport begleitet werden muss, legt der Bescheid fest. Vorgeschrieben werden können private Begleitfahrzeuge, etwa der Bauarten BF3 oder BF4, in bestimmten Fällen zusätzlich Polizeibegleitung.

Wie plant eine Spedition einen Schwerlasttransport?

  1. Erfassung der genauen Ladungsdaten: Maße, Gewicht, Schwerpunkt, Anschlagpunkte und Lastverteilung
  2. Auswahl von Fahrzeugkombination und Ladungssicherung
  3. Prüfung der Strecke, bei Bedarf mit Befahrung vor Ort
  4. Antrag über VEMAGS und Abstimmung von Begleitung, Be- und Entladung sowie Kran- oder Hubtechnik
  5. Disposition innerhalb der genehmigten Zeitfenster und Kommunikation mit Absender und Empfänger

Weil Genehmigung, Fahrzeugwahl und Kosten von den Ladungsdaten abhängen, beginnt die Transportplanung bei der Auftragserfassung. Überschreitet das tatsächliche Gewicht oder ein Maß die Angaben im Antrag, deckt die Genehmigung den Transport nicht.

Rechtsgrundlagen

  • § 32 StVZO: Abmessungen von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen
  • § 34 StVZO: Achslast und Gesamtgewicht
  • § 70 StVZO: Ausnahmegenehmigungen
  • § 29 StVO: übermäßige Straßenbenutzung, Erlaubnis nach Abs. 3
  • § 46 StVO: Ausnahmegenehmigung, unter anderem für Ladungen nach Abs. 1 Nr. 5

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schwertransport und Großraumtransport?

Ein Großraumtransport überschreitet die zulässigen Abmessungen, also Breite, Höhe oder Länge. Ein Schwertransport überschreitet das zulässige Gesamtgewicht oder die Achslasten. Ist ein Transport beides, wird er als Großraum- und Schwertransport genehmigt.

Wie lange dauert eine Genehmigung für einen Schwertransport?

Die Dauer hängt von Strecke, Abmessungen und Zahl der beteiligten Behörden ab. Der Antrag wird über VEMAGS gestellt. Müssen Brücken statisch nachgerechnet werden, ist mehr Vorlauf nötig.

Was kostet ein Schwerlasttransport?

Die Kosten hängen von Entfernung, Fahrzeugkombination, Genehmigungsgebühren, Begleitung, Fahrzeitauflagen und Be- und Entladetechnik ab. Pauschale Preise gibt es deshalb nicht. Ein belastbares Angebot setzt genaue Ladungsdaten und eine Streckenprüfung voraus.

Wann darf ein Schwertransport fahren?

Die erlaubten Fahrzeiten stehen im Genehmigungsbescheid. Der Bescheid kann Transporte auf verkehrsarme Zeiten beschränken, etwa auf die Nacht.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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