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Mate’s Quittung (Steuermannsquittung): Bedeutung & Funktion

Fachartikel: Mate’s Quittung – Das fundamentale Übergabedokument der Seeschifffahrt

Die Mate’s Quittung (englisch: Mate’s Receipt) ist ein im Seefrachtverkehr ausgestelltes Dokument, das den Empfang der Ware an Bord eines Schiffes quittiert. Sie wird in der Regel vom Ersten Offizier (dem „Mate“ oder Steuermann) unterschrieben, nachdem die Ware die Schiffsreling passiert hat. In der Logistikkette dient sie als vorläufige Bestätigung und bildet die rechtliche und faktische Grundlage für die spätere Ausstellung des Konnossements (Bill of Lading).

Bedeutung und Funktion im Logistikprozess

Die Mate’s Quittung erfüllt im Rahmen des Supply Chain Managements drei wesentliche Aufgaben:

  1. Empfangsbestätigung: Sie belegt, dass der Frachtführer (die Reederei) die Ware physisch übernommen hat.
  2. Zustandsdokumentation: Der Steuermann vermerkt auf der Quittung den äußeren Zustand der Ware. Sind Verpackungen beschädigt, wird dies als „Abschreibung“ vermerkt.
  3. Vorpapier zum Konnossement: Der Ablader tauscht die Mate’s Quittung später im Büro der Reederei gegen das offizielle Konnossement ein. Nur wer im Besitz der Mate’s Quittung ist, hat in der Regel Anspruch auf das Wertpapier.

Rechtliche Relevanz und Haftung

Die Mate’s Quittung ist kein Traditionspapier (Wertpapier), aber sie hat eine hohe Beweiskraft:

  • Clean vs. Dirty: Wenn die Quittung ohne Bemerkungen über Schäden ausgestellt wird, spricht man von einer „Clean Receipt“. Dies führt zu einem „reinen“ Konnossement. Vermerke über Mängel führen zu einem „unreinen“ Konnossement, was im internationalen Zahlungsverkehr (Akkreditiv) zu massiven Problemen führen kann.
  • Haftungsübergang: Mit der Unterschrift auf der Mate’s Quittung geht die Obhutspflicht für die Ware auf den Frachtführer über. Dies ist ein kritischer Moment in der Transportplanung.

Praxis-Relevanz 2026: Digitalisierung der Steuermannsquittung

Im Jahr 2026 hat sich der Prozess rund um die Mate’s Quittung durch technologische Innovationen stark gewandelt:

  • E-Mate’s Receipt: Anstatt Papierdokumente auf dem Deck zu unterschreiben, erfolgt die Quittierung 2026 meist digital über Tablets. Die Daten werden in Echtzeit mit dem Transport Management System (TMS) der Reederei synchronisiert.
  • KI-gestützte Schadenserkennung: Bei der Verladung (oft per LOLO-Verfahren) erfassen Kamerasysteme 2026 den Zustand der Ladeeinheiten automatisch. Die Ergebnisse fließen direkt in die digitale Mate’s Quittung ein, was Diskussionen über den Zustand der Ware objektiviert.
  • Blockchain-Integration: Um Betrug beim Umtausch in ein Konnossement zu verhindern, wird die Mate’s Quittung 2026 oft als digitaler Token in einer Blockchain hinterlegt. Dies sichert die lückenlose Rückverfolgbarkeit innerhalb der Logistikkette.

Experten-Tipp: Achten Sie als Ablader peinlich genau darauf, dass keine unberechtigten Vorbehalte auf der Mate’s Quittung vermerkt werden. Sobald die Unterschrift geleistet ist, ist es äußerst schwierig, ein „reines“ Konnossement zu erhalten, was die Bezahlung Ihrer Ware durch die Bank verzögern kann.

Fazit

Die Mate’s Quittung ist auch im digitalen Zeitalter 2026 das „Scharreisen“ der maritimen Logistik. Sie markiert den Punkt, an dem die Verantwortung für die Güter vom Land auf das Meer übergeht. Durch die Vernetzung mit modernen Identifizierungssystemen ist sie heute präziser und schneller verfügbar als je zuvor.

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