Fachartikel: FAS – Frei Längsseite Schiff
Der Incoterm FAS (Free Alongside Ship) gehört zur Gruppe der Klauseln, die ausschließlich für den See- und Binnenschiffstransport vorgesehen sind. Bei dieser Vereinbarung liefert der Verkäufer die Ware, indem er sie im benannten Verschiffungshafen längsseits des Schiffes (z. B. auf dem Kai oder auf einem Leichter) platziert. In der Logistikkette des Jahres 2026 wird FAS vor allem für Massengüter (Bulk), Schwergut oder Projektladung verwendet, die nicht in Containern transportiert werden.
Gefahrenübergang und Kostenverteilung
Der entscheidende Moment bei FAS ist das Abstellen der Ware am Kai:
- Gefahrenübergang: Sobald die Ware längsseits des Schiffs an der vereinbarten Stelle platziert wurde, geht das Risiko für Verlust oder Beschädigung vom Verkäufer auf den Käufer über.
- Kosten bis zum Kai: Der Verkäufer trägt alle Kosten für den Vortransport und die Bereitstellung am Kai.
- Kosten ab dem Kai: Der Käufer trägt die Kosten für das Verladen auf das Schiff (Stauerei/Stevedoring), die Seefracht, die Entladung im Zielhafen und den gesamten Nachlauf innerhalb der Supply Chain.
[Image: A large industrial generator sitting on a heavy-duty trailer at the quay wall, right next to a docked cargo ship, illustrating the "alongside" delivery point.]
Die wichtigsten Pflichten der Parteien
Damit die Transportplanung unter FAS-Bedingungen reibungslos funktioniert, müssen beide Seiten spezifische Aufgaben erfüllen:
1. Pflichten des Verkäufers
- Exportfreimachung: Seit den Incoterms 2010/2020 ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware für den Export verzollen zu lassen (Exportlizenzen, Sicherheitsfreigaben).
- Liefernachweis: Bereitstellung eines üblichen Belegs, dass die Ware längsseits des Schiffs abgeliefert wurde.
- Verpackung: Angemessene Verpackung für den Transport bis zum Hafen und die dortige Lagerung.
2. Pflichten des Käufers
- Schiffsbuchung: Der Käufer wählt das Schiff aus und schließt den Beförderungsvertrag ab.
- Verladung: Er trägt das Risiko und die Kosten für den Hebevorgang vom Kai auf das Schiff.
- Information: Er muss dem Verkäufer rechtzeitig den Schiffsnamen, den Liegeplatz und den gewünschten Lieferzeitpunkt mitteilen, um Standgelder im Hafen zu vermeiden.
Warum FAS für Containerfracht ungeeignet ist
In der modernen Logistikkette wird FAS oft fälschlicherweise für Container angefragt. Experten raten davon ab:
- Schnittstellenproblem: Container werden in der Regel am Terminalgate eines Hafens abgegeben (Container Yard) und nicht direkt längsseits des Schiffes.
- Risikolücke: Zwischen der Abgabe am Gate und dem Bereitstellen am Kai hat der Verkäufer keine Kontrolle mehr über den Container, trägt aber unter FAS weiterhin das Risiko.
- Empfehlung: Nutzen Sie für Container-Transporte stattdessen den Incoterm FCA (Free Carrier).
Praxis-Relevanz 2026: Digitale Hafenterminals und Zeitfenster
Im Jahr 2026 ist die punktgenaue Anlieferung unter FAS-Bedingungen eine digitale Präzisionsarbeit:
- Smart Port Management: Verkäufer nutzen Echtzeitdaten des Hafens, um die Ware genau in dem Moment anzuliefern, in dem das Schiff bereit zur Beladung ist. Dies minimiert Kai-Lagergebühren.
- E-Certificates: Der Nachweis der Ablieferung "alongside" erfolgt 2026 meist über digitale Übergabeprotokolle mit Zeitstempel und GPS-Verifizierung.
- Green Logistics: Bei FAS-Geschäften im Jahr 2026 achten Käufer vermehrt darauf, Schiffe mit emissionsarmen Antrieben zu buchen, um die CO2-Bilanz ihrer globalen Supply Chain zu optimieren.
Wichtiger Hinweis: Wenn das vom Käufer benannte Schiff nicht rechtzeitig eintrifft oder den Betrieb einstellt, trägt der Käufer ab dem vereinbarten Liefertermin alle zusätzlichen Kosten (z. B. Lagerung auf dem Kai) und das Risiko, sofern die Ware bereits als "FAS" bereitgestellt wurde.
Fazit
Der Incoterm FAS ist ein Spezialwerkzeug für die Schifffahrt. Er bietet klare Grenzen für die Haftung bei Gütern, die direkt am Kai umgeschlagen werden. Wer die Nuancen bei der Exportverzollung und der Schiffsbenennung beherrscht, nutzt FAS als effiziente Klausel für den Welthandel mit Rohstoffen und Großanlagen innerhalb einer gut geplanten Logistikkette.