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Förderhilfsmittel: Überblick & Auswahl im Betrieb

Fachartikel: Förderhilfsmittel – Die Basis für einen stabilen Materialfluss

Unter Förderhilfsmittel versteht man in der Logistik alle technischen Hilfsmittel, die dazu dienen, Ware aufzunehmen und zu einer transportfähigen Einheit zusammenzufassen. Sie bilden die Schnittstelle zwischen dem eigentlichen Lagergut und der Fördertechnik oder den Flurförderzeugen. In der Logistikkette des Jahres 2026 sind Förderhilfsmittel weit mehr als nur einfache Unterlagen; sie sind standardisierte Informationsträger, die eine automatisierte Steuerung der gesamten Supply Chain ermöglichen.

Abgrenzung: Ladehilfsmittel vs. Förderhilfsmittel

Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es eine feine Unterscheidung:

  • Ladehilfsmittel: Konzentriert sich auf die Bildung einer Ladeeinheit für den Transport (z. B. die Europalette im LKW).
  • Förderhilfsmittel: Bezieht sich spezifisch auf die Eignung für innerbetriebliche Fördersysteme. Ein Förderhilfsmittel (wie ein Tablar) sorgt dafür, dass auch nicht-förderfähige Güter (wie instabile Kartons oder unförmige Teile) auf Rollenbahnen oder in automatischen Lagern bewegt werden können.

Die wichtigsten Arten von Förderhilfsmitteln

Je nach Gewicht, Geometrie und Automatisierungsgrad kommen verschiedene Systeme zum Einsatz:

1. Paletten (Flachpaletten)Der Klassiker ist die Europoolpalette. Sie dient als universelles Förderhilfsmittel für schwere Lasten und ist durch ihre Normung mit nahezu allen Staplern und Regalbediengeräten kompatibel.

2. Behälter und BoxenKleinladungsträger (KLT) oder Euro-Behälter schützen die Ware vor Beschädigungen und Verschmutzung. Sie sind stapelbar und lassen sich durch genormte Bodenstrukturen sicher auf Förderbändern bewegen.

3. TablareEin Tablar ist ein flaches Brett oder eine flache Schale (meist aus Kunststoff oder Metall), auf das Waren aufgelegt werden. Es dient im automatischen Kleinteilelager (AKL) dazu, unterschiedlichste Kartongrößen auf ein einheitliches Maß zu bringen, um die Transportplanung im Lager zu vereinfachen.

4. Sonder-FörderhilfsmittelHierzu zählen beispielsweise Coil-Böcke für zylindrische Lasten oder spezielle Gehänge für die Inhouse-Logistik in der Automobilindustrie.

[Image showing a variety of transport units: a wooden Euro pallet, a blue plastic KLT box, and a specialized metal tray, emphasizing the standardization of sizes for automated conveyor systems.]

Auswahlkriterien für den Betrieb

Die Wahl des richtigen Förderhilfsmittels beeinflusst die Effizienz der gesamten Logistikkette. Folgende Faktoren müssen bei der Auswahl berücksichtigt werden:

  • Tragfähigkeit: Das Eigengewicht der Ware darf das Förderhilfsmittel nicht verformen, um Blockaden in der Fördertechnik zu vermeiden.
  • Unterbaueignung: Für Rollenbahnen sind Kufen oder spezielle Bodenverrippungen notwendig.
  • Automatisierungsgrad: Sensoren und Lichtschranken in modernen Lagern benötigen definierte Reflexionsflächen oder Konturen am Hilfsmittel.
  • Umgebungsbedingungen: In der Tiefkühllogistik oder in chemischen Betrieben müssen die Materialien kälteresistent bzw. säurebeständig sein.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Förderhilfsmittel (Smart Assets)

Im Jahr 2026 ist das Förderhilfsmittel digital geworden:

  • RFID & IoT-Integration: Jede Palette und jeder Behälter verfügt über einen fest verbauten Chip. Das System erkennt automatisch, wo sich das Hilfsmittel befindet, was darin gelagert ist und wie viele Reinigungszyklen (bei Mehrwegsystemen) bereits durchlaufen wurden.
  • Nachhaltigkeit (Circular Economy): Es findet ein massiver Wechsel von Einweg-Verpackungen hin zu robusten, kreislauffähigen Kunststoff-Förderhilfsmitteln statt, die am Ende ihres Lebenszyklus vollständig recycelt werden können (Green Logistics).
  • Sensorik im Hilfsmittel: Intelligente Tablare können 2026 das Gewicht der Ware selbstständig wiegen und Abweichungen sofort an das Warehouse Management System (WMS) melden, um Fehlmengen zu vermeiden.

Experten-Tipp: Achten Sie bei der Beschaffung auf die "Förderfähigkeit" nach DIN-Normen. Ein vermeintlich günstiger Behälter ohne verstärkten Boden kann auf einer angetriebenen Rollenbahn zu hohen Ausfallzeiten durch Durchbiegung führen.

Fazit

Förderhilfsmittel sind die physischen Enabler der Automatisierung. Sie bringen Ordnung und Standardisierung in das Chaos unterschiedlicher Produktformen. Durch die richtige Auswahl und die Integration digitaler Identifikationsmerkmale werden sie 2026 zu einem unverzichtbaren Datenlieferanten für eine transparente und reaktionsschnelle Supply Chain.

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