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Gliederzug: Aufbau, Einsatz & Vorteile

Fachartikel: Gliederzug – Das flexible Raumwunder der Straße

Ein Gliederzug (auch Lastzug oder LKW mit Anhänger genannt) ist eine Fahrzeugkombination, die aus einem geraden Lkw (Motorwagen) und einem daran angekoppelten Anhänger besteht. Im Gegensatz zum Sattelzug, bei dem der Auflieger auf einer Zugmaschine aufliegt, ist der Gliederzug durch eine Deichsel oder eine Starrdeichsel (beim Zentralachshänger) verbunden. In der Logistikkette des Jahres 2026 gilt der Gliederzug als die effizienteste Lösung für voluminöse Güter und komplexe Verteilungsszenarien.

Aufbau und technische Varianten

Der Aufbau eines Gliederzugs bietet verschiedene Konfigurationen für die Transportplanung:

  • Motorwagen: Das ziehende Fahrzeug mit eigenem Aufbau (Ladefläche).
  • Anhänger: Entweder als Deichselanhänger (zwei oder mehr Achsen, vordere Achse lenkbar) oder als Zentralachshänger (Achsen mittig angeordnet, starr mit dem Lkw verbunden).
  • Durchladesysteme: Spezielle Gliederzüge ermöglichen das Beladen des gesamten Zuges von hinten, ohne den Anhänger abkuppeln zu müssen.
  • Wechselsysteme: Häufig werden Gliederzüge als Wechselbrückenfahrzeuge eingesetzt, bei denen die Container-Boxen einfach abgestellt und getauscht werden können.

Vorteile des Gliederzugs

Im Vergleich zum klassischen Sattelzug bietet der Gliederzug spezifische strategische Vorteile für die Supply Chain:

  • Maximale Ladekapazität: Ein Gliederzug darf in Deutschland eine Gesamtlänge von bis zu 18,75 Metern erreichen. Dadurch bietet er oft mehr Stellplätze (bis zu 38 Europaletten) als ein Sattelzug (33-34 Paletten), was ihn ideal für Leichtgut macht.
  • Höhere Flexibilität: Der Anhänger kann an einem Logistikknotenpunkt abgestellt werden, während der Motorwagen allein enge Lieferstellen in der Innenstadt bedient.
  • Zwei Temperaturzonen: Im Frigotransport können Motorwagen und Anhänger mit unterschiedlichen Temperaturen gefahren werden, was die kombinierte Auslieferung von Tiefkühl- und Frischeware ermöglicht.
  • Einfacherer Austausch: Bei Defekten am Motorwagen kann der Anhänger problemlos von einem anderen Fahrzeug übernommen werden, was die Resilienz der Logistikkette erhöht.

Einsatzbereiche in der Logistik

Gliederzüge besetzen aufgrund ihrer Vielseitigkeit wichtige Nischen in der Transportplanung:

  1. Sammelgutverkehr: Ideal für Speditionen, die viele kleine Sendungen zu verschiedenen Depots transportieren und dabei Wechselbrücken nutzen.
  2. Volumentransporte: Transport von Dämmstoffen, Verpackungsmaterialien oder Hygienepapier, wo das Volumen vor dem Gewicht limitiert.
  3. Land- und Forstwirtschaft: Transport von Getreide oder Holz, oft mit spezialisierten Anhängern für unwegsames Gelände.
  4. Kurier-Express-Paket-Dienste (KEP): Die Standardkombination für den Linienverkehr zwischen Sortierzentren.

Praxis-Relevanz 2026: Lang-LKW und Automatisierung

Im Jahr 2026 entwickelt sich der Gliederzug technologisch weiter:

  • Lang-LKW (EuroCombi): Gliederzüge bilden oft die Basis für verlängerte Kombinationen (bis 25,25 Meter), die zur CO2-Reduktion beitragen, da zwei Lang-LKW drei herkömmliche Züge ersetzen können (Green Logistics).
  • Automatisches Ankuppeln: Sensorbasierte Assistenzsysteme ermöglichen 2026 das zentimetergenaue Rückwärtsheranfahren an den Anhänger und das automatisierte Schließen der Kupplung inklusive der Luft- und Elektrikanschlüsse.
  • Elektrifizierte Anhänger: Intelligente Anhängerachsen mit eigenem Elektroantrieb unterstützen den Motorwagen beim Beschleunigen und gewinnen beim Bremsen Energie zurück (Rekuperation).

Experten-Tipp: Beachten Sie bei der Tourenplanung die Führerscheinklasse CE. Das Rangieren eines Gliederzugs (insbesondere mit Drehschemel-Anhänger) ist deutlich anspruchsvoller als bei einem Sattelzug und erfordert besonders geschultes Personal.

Fazit

Der Gliederzug ist das Schweizer Taschenmesser des Straßengüterverkehrs. Er vereint hohes Ladevolumen mit operativer Flexibilität. Für Unternehmen, die ihre Logistikkette optimieren und gleichzeitig auf Volumen-Herausforderungen reagieren müssen, bleibt der Gliederzug auch im Jahr 2026 eine unverzichtbare Komponente einer modernen Flottenstrategie.

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