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Haulage: Bedeutung im Containertransport

Fachartikel: Haulage – Die Verbindung zwischen Hafen und Hinterland

Im Kontext des internationalen Containertransports bezeichnet Haulage (deutsch: Beförderung oder Landtransport) den Transport von Containern über den Landweg. Dies umfasst typischerweise den Vorlauf (vom Absender zum Abgangshafen) und den Nachlauf (vom Bestimmungshafen zum Endempfänger). In der globalen Logistikkette ist Haulage das entscheidende Bindeglied, um die "letzte Meile" zwischen den großen Seehäfen und dem Binnenland zu überbrücken.

Die zwei Kernmodelle: Carrier vs. Merchant Haulage

In der Transportplanung wird grundlegend unterschieden, wer den Landtransport organisiert und die Verantwortung trägt:

1. Carrier Haulage (CH)Hier organisiert die Reederei (der Carrier) den gesamten Transport von Tür zu Tür. Der Landtransport ist Teil des Seefrachtvertrags.

  • Vorteil: Der Kunde hat nur einen Ansprechpartner und trägt weniger Risiko bei Verzögerungen im Hafen (z. B. geringeres Risiko für Demurrage-Kosten).

2. Merchant Haulage (MH)Der Verlader oder Empfänger (der Merchant) beauftragt einen eigenen Spediteur mit dem Landtransport. Die Reederei ist nur für die Strecke von Hafen zu Hafen verantwortlich.

  • Vorteil: Oft kosteneffizienter, wenn Unternehmen eigene Rahmenverträge mit lokalen Transportunternehmen haben oder flexibler auf Termine reagieren müssen.

Verkehrsträger im Haulage-Bereich

Haulage beschränkt sich nicht nur auf den LKW-Transport, sondern nutzt im Sinne der Intermodalität verschiedene Wege:

  • Truck Haulage: Die flexibelste Form für die direkte Zustellung zum Werk oder Lager.
  • Rail Haulage: Der Containertransport per Schiene ist besonders auf langen Strecken (Hinterlandanbindung) effizient und umweltfreundlich (Green Logistics).
  • Barge Haulage: Der Transport per Binnenschiff wird vor allem in Regionen mit großen Wasserstraßen (z. B. Rhein-Ruhr-Gebiet) zur Entlastung der Straße genutzt.

Kostenfaktoren und Risiken

Die Kalkulation der Haulage-Kosten ist ein wesentlicher Bestandteil des Supply Chain Managements:

  • Haulage Surcharge: Ein Zuschlag, den Reedereien bei Carrier Haulage für den Landtransport berechnen.
  • Maut und Treibstoff: Diese Kosten fließen direkt in die Haulage-Rate ein und sind oft volatil.
  • Drop-off / Pick-up Gebühren: Kosten für die Rückgabe oder Abholung leerer Container an Depots im Hinterland.
  • Wartezeiten: Verzögerungen beim Be- oder Entladen führen bei Haulage-Dienstleistern schnell zu Standgeldern.

Praxis-Relevanz 2026: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Im Jahr 2026 wird die Haulage-Abwicklung zunehmend automatisiert:

  • Digitales Slot-Management: LKWs buchen 2026 feste Zeitfenster in den Terminals per App, um Staus bei der Haulage-Abwicklung zu vermeiden.
  • E-Trucks im Nahbereich: Für die Haulage zwischen Hafen und nahen Logistikzentren werden verstärkt batterieelektrische Zugmaschinen eingesetzt.
  • Echtzeit-Tracking: Über das Internet der Dinge (IoT) ist die Position des Containers während der Haulage für alle Partner der Supply Chain jederzeit sichtbar, was die Genauigkeit der ETA massiv verbessert.

Experten-Tipp: Prüfen Sie bei der Wahl zwischen Carrier und Merchant Haulage nicht nur den Preis. Bei Carrier Haulage übernimmt die Reederei oft die Haftung für Zeitüberschreitungen bei der Container-Rückgabe – ein Puffer, der bei Hafenstreiks oder Staus Gold wert sein kann.

Fazit

Haulage ist weit mehr als nur eine LKW-Fahrt. Es ist der Prozess, der den globalen Seehandel erst mit der lokalen Produktion und dem Konsum verbindet. Durch die Wahl des richtigen Haulage-Modells und die Nutzung intermodaler Verkehrsträger können Unternehmen ihre Logistikkette im Jahr 2026 sowohl kosteneffizienter als auch nachhaltiger gestalten.

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