Logistik lexikon

Langsamdrehende Objekte: Definition & Lagerstrategien 2026

Fachartikel: Langsamdrehende Objekte – Herausforderung für die Flächeneffizienz

Als langsamdrehende Objekte (umgangssprachlich „Langsamdreher“ oder „Slow Mover“) werden im Supply Chain Management Artikel bezeichnet, die eine geringe Umschlagshäufigkeit aufweisen. Das bedeutet, sie verbleiben im Vergleich zum Durchschnitt des Sortiments über einen langen Zeitraum im Lager. In der Logistikkette des Jahres 2026 stellen diese Objekte eine besondere Herausforderung dar, da sie wertvolle Lagerfläche binden und die Kapitalbindungskosten (Inventar-Kosten) erhöhen.

Definition und Identifikation

Die Einordnung erfolgt klassischerweise über die ABC-Analyse:

  • C-Artikel: Langsamdrehende Objekte machen oft den größten Teil der Artikelanzahl aus (ca. 50–70 %), tragen aber nur einen geringen Teil zum Gesamtumsatz bei.
  • Umschlagskennzahl: Ein Objekt gilt als Langsamdreher, wenn die durchschnittliche Lagerdauer einen definierten Schwellenwert (z. B. 180 Tage) überschreitet oder die Anzahl der Entnahmen pro Monat unter einem Minimum liegt.

[Image showing a warehouse layout where fast-moving items are placed near the shipping area, while slow-moving items are stored in remote, high-density zones]

Spezifische Lagerstrategien für Langsamdreher

Um die Effizienz der Intralogistik nicht zu gefährden, müssen für diese Objekte spezielle Strategien angewandt werden:

1. Platzierung in RandbereichenLangsamdreher werden in entlegenen oder schwer zugänglichen Bereichen des Lagers (z. B. oberste Ebenen der Hochregaltechnik) platziert. Dies hält die wertvollen Plätze nahe der Heckbeladung für Schnelldreher frei.

2. Hochverdichtete LagerungDa seltene Zugriffe erfolgen, eignen sich kompakte Systeme wie Kanalregale oder Verschiebeanlagen. Hierbei wird die Raumausnutzung maximiert, auch wenn der Zugriff pro Einzelpalette länger dauert.

3. Konsolidierung und Out-of-Stock-VermeidungDurch regelmäßige Umlagerungen (Kompaktierung) werden angebrochene Paletten zusammengefasst, um Stellplätze für neue Wareneingänge in der Transportplanung freizugeben.

4. ZentralisierungHäufig werden Langsamdreher in einem zentralen Lager gebündelt, anstatt sie in jedem dezentralen Regionallager vorzuhalten. Dies reduziert den Sicherheitsbestand in der gesamten Supply Chain.

Praxis-Relevanz 2026: Dynamisches Bestandsmanagement

Im Jahr 2026 werden Langsamdreher nicht mehr nur "verwaltet", sondern durch KI aktiv gesteuert:

  • Predictive Delisting: KI-Modelle prognostizieren 2026 frühzeitig, welche Artikel zu Langsamdrehern werden, und schlagen proaktiv Abverkaufsaktionen oder die Reduzierung der Bestellmengen vor.
  • Automatisierte Umlagerung: Fahrerlose Transportsysteme nutzen 2026 auftragsarme Zeiten (z. B. Nachtstunden), um Langsamdreher vollautomatisch in kompaktere Zonen umzulagern (Hol-Prinzip).
  • Virtual Inventory: Durch die digitale Vernetzung im Jahr 2026 können Langsamdreher physisch beim Vorlieferanten verbleiben und erst bei Bedarf direkt zum Kunden versandt werden (Drop-Shipping).
  • Green Logistics: Da Langsamdreher oft veralten und entsorgt werden müssen, hilft eine genaue Überwachung 2026 dabei, Warenverluste und unnötige Ressourcenverschwendung zu vermeiden.

Experten-Tipp: Prüfen Sie kritisch, ob ein Langsamdreher ein notwendiger "Service-Artikel" ist oder aus dem Sortiment gestrichen werden kann. Oft verursachen 20 % der Langsamdreher 80 % der versteckten Lagerkosten durch hohen Administrationsaufwand und Platzraub.

Fazit

Langsamdrehende Objekte sind in fast jedem Lager vorhanden, dürfen aber die operative Performance der Logistikkette nicht ausbremsen. Durch den gezielten Einsatz von platzsparender Technik und einer datenbasierten Platzierungsstrategie lassen sich die negativen Auswirkungen auf die Lagerkosten im Jahr 2026 minimieren.

Trends, Wissen und Innovationen für die Logistik der Zukunft

MHV Logistik Lexikon