Ein Letter of Indemnity (LOI) ist eine vertragliche Erklärung, in der eine Partei (der Aussteller) verspricht, eine andere Partei (meist den Frachtführer oder die Reederei) schadlos zu halten, falls aus einer bestimmten Handlung rechtliche oder finanzielle Nachteile entstehen. In der Logistikkette wird der LOI häufig genutzt, um logistische Abläufe zu beschleunigen, wenn formale Dokumente fehlen oder Unregelmäßigkeiten vorliegen. Trotz seiner praktischen Relevanz birgt er im Supply Chain Management des Jahres 2026 erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken.
Ein LOI kommt meist dann zum Einsatz, wenn vom Standardprozess der Warenübergabe abgewichen werden muss:
Obwohl der LOI den Warenfluss beschleunigt, ist seine Verwendung mit Vorsicht zu genießen:
1. Verlust des Versicherungsschutzes (P&I Club)Reedereien riskieren durch die Annahme eines LOI oft ihren Deckungsschutz in der Haftpflichtversicherung (P&I Club). Viele Versicherer schließen Schäden aus, die durch Handlungen entstanden sind, welche gegen die Standardbedingungen des Konnossements verstoßen.
2. BetrugsrisikoEin LOI, der ausgestellt wird, um Schäden an der Ware zu verschleiern (Clean B/L trotz Beschädigung), kann als Betrug gegenüber dem Käufer oder der Bank gewertet werden. In solchen Fällen ist der LOI oft rechtlich nicht durchsetzbar.
3. Bonität des AusstellersEin LOI ist nur so viel wert wie das Unternehmen, das ihn unterschrieben hat. Ist der Aussteller insolvent, bleibt der Frachtführer auf den Kosten und Schadensersatzforderungen Dritter sitzen.
[Image showing the contractual triangle between Shipper, Carrier, and Consignee and where the Letter of Indemnity fits into the risk flow]
Im Jahr 2026 hat sich der Umgang mit dem Letter of Indemnity durch technologische Innovationen gewandelt:
Experten-Tipp: Akzeptieren Sie einen LOI niemals blind. Prüfen Sie genau, ob die Freistellung auch die Kosten für Rechtsverteidigung und etwaige Lagergelder abdeckt. Im Zweifel sollte immer eine Bankgarantie zur Absicherung des LOI verlangt werden, besonders bei Neukunden in der Transportplanung.
Der Letter of Indemnity bleibt ein notwendiges "Schmiermittel" für den globalen Handel, wenn Zeitdruck herrscht. Doch im Jahr 2026 ermöglichen digitale Dokumente einen sichereren Weg. Wer auf einen LOI angewiesen ist, muss die rechtlichen Konsequenzen genau abwägen, um die Stabilität seiner Supply Chain nicht zu gefährden.