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Liegegeld (Demurrage): Bedeutung, Berechnung & Vermeidung

Fachartikel: Liegegeld – Entschädigung für blockierte Transportkapazitäten

Liegegeld bezeichnet eine Entschädigungszahlung, die anfällt, wenn ein Transportmittel (Schiff, Lkw oder Container) über die vertraglich vereinbarte Lade- oder Löschzeit hinaus an einer Ladestelle festgehalten wird. In der Logistikkette dient es dazu, den Verdienstausfall des Frachtführers auszugleichen, da das Fahrzeug während der Wartezeit nicht für andere Aufträge in der Transportplanung zur Verfügung steht. Im Jahr 2026 ist das Management von Liegegeldern ein kritischer Faktor für die Kosteneffizienz im Supply Chain Management.

Begriffsabgrenzung: Demurrage, Detention und Standgeld

Im internationalen Warenverkehr, insbesondere in der Seefracht, werden verschiedene Begriffe genutzt:

  • Demurrage (Liegegeld): Gebühr für die Nutzung des Containers innerhalb des Hafenterminals über die "Free Time" hinaus.
  • Detention (Überliegegeld): Gebühr für die Nutzung des Containers außerhalb des Hafens (z. B. beim Empfänger), wenn dieser nicht rechtzeitig leer zurückgegeben wird.
  • Standgeld: Der im Straßengüterverkehr übliche Begriff für Wartezeiten des Lkw an der Rampe während der Heckbeladung.

Berechnung und Einflussfaktoren

Die Berechnung von Liegegeldern folgt meist festen Sätzen, die im Frachtvertrag oder in den Tarifen der Reedereien definiert sind. Wichtige Faktoren sind:

1. Die Liegezeit (Laytime)Dies ist der Zeitraum, der dem Verlader für das Be- oder Entladen kostenfrei zur Verfügung steht. Sie beginnt oft mit der "Notice of Readiness" (Ankunftsmeldung).

2. Der TagessatzWird die Laytime überschritten, wird pro Tag oder angefangener Stunde ein fester Betrag fällig. In der Schifffahrt steigen diese Sätze oft progressiv an (z. B. Tag 1–3: 100 €, ab Tag 4: 200 €).

3. Kalendertage vs. ArbeitstageEs muss vertraglich geklärt sein, ob Wochenenden und Feiertage in die Berechnung einfließen oder die Uhr während dieser Zeiten anhält.

Ursachen für Liegegelder

Häufige Gründe für das Entstehen dieser Zusatzkosten in der Logistikkette sind:

  • Dokumentenfehler: Fehlende oder falsche Papiere verhindern die Zollfreigabe oder Entladung.
  • Infrastrukturmängel: Überlastete Terminals oder langsame Prozesse in der Intralogistik des Empfängers.
  • Mangelnde Koordination: Unstimmigkeiten zwischen der Ankunft des Fahrzeugs und der Bereitstellung der Ware.

Praxis-Relevanz 2026: Vermeidung durch Technologie

Im Jahr 2026 nutzen Unternehmen moderne Instrumente, um Liegegelder proaktiv zu vermeiden:

  • Real-Time Visibility: Durch IoT-Sensoren und GPS-Tracking im Transport Management System (TMS) sehen Planer 2026 Ankunftszeiten auf die Minute genau und können Rampenkapazitäten dynamisch anpassen.
  • Digitales Zeitfenstermanagement: Slots für die Beladung werden automatisiert vergeben. Bei Verspätungen informiert das System die Beteiligten sofort, um die Logistikkette umzuplanen.
  • Elektronische Dokumente: Der Einsatz des eCMR und digitaler Konnossemente beschleunigt 2026 die Abwicklung an den Grenzen und Terminals massiv, wodurch Wartezeiten durch Papierkram entfallen.
  • KI-Szenarien: KI-Modelle prognostizieren 2026 drohende Liegegeld-Risiken an bestimmten Häfen (z. B. bei Streiks) und schlagen alternative Routen vor.

Experten-Tipp: Achten Sie bei Vertragsabschluss genau auf die "Free Time"-Klauseln. Besonders in Krisenzeiten oder bei komplexen Zollprozessen kann die Aushandlung von zwei bis drei zusätzlichen freien Tagen enorme Kostenersparnisse im Vergleich zu reduzierten Frachtraten bringen.

Fazit

Liegegeld ist ein vermeidbarer Kostenfaktor, der die Marge eines Auftrags schnell aufzehren kann. Im Jahr 2026 sind Datentransparenz und eine enge digitale Vernetzung aller Partner in der Supply Chain die effektivsten Mittel, um Standzeiten zu minimieren und eine flüssige Logistikkette zu gewährleisten.

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