Logistik lexikon

Offene Ladungen: Risiken, Sicherungspflichten & Vorschriften

Fachartikel: Offene Ladungen – Präzision bei Wind und Wetter

Als offene Ladungen werden Güter bezeichnet, die auf Transportmitteln ohne festen Aufbau (wie Planen, Wände oder Dächer) befördert werden. Dies betrifft primär Flachbetttieflader, Rungenwagen in der Schiene oder offene Schiffe. Während diese Transportart maximale Flexibilität für sperrige Güter bietet, stellt sie das Supply Chain Management vor besondere Herausforderungen hinsichtlich der Sicherheit und des Schutzes vor Umwelteinflüssen. Im Jahr 2026 ist die korrekte Sicherung offener Ladungen ein kritischer Faktor für die Rechtskonformität der gesamten Logistikkette.

Physikalische und operative Risiken

Der Verzicht auf eine schützende Hülle setzt die Ware massiven Belastungen aus:

  • Witterungseinflüsse: Regen, Schnee, UV-Strahlung und Streusalz können die Ware direkt beschädigen. Besonders im Frigotransport oder bei korrosionsanfälligen Gütern ist dies kritisch.
  • Aerodynamische Kräfte: Bei hohen Geschwindigkeiten wirken enorme Windlasten und Auftriebskräfte auf die Ladung. Eine unzureichende Sicherung führt hier schnell zu Unfällen.
  • Verschmutzung und Diebstahl: Die Ware ist für Dritte leicht zugänglich und Umweltschmutz schutzlos ausgeliefert.
  • Schwerpunktverlagerung: Da offene Ladungen oft Überbreite oder Überhöhe haben, ist die Berechnung des Lastschwerpunkts für die Stabilität des Fahrzeugs essenziell.

Rechtliche Sicherungspflichten

Die Verantwortung für die Sicherung offener Ladungen ist klar verteilt und gesetzlich (z. B. in Deutschland durch § 22 StVO und das HGB) geregelt:

1. Der Absender:Er ist für die beförderungssichere Beladung verantwortlich. Die Ware muss so verstaut sein, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht oder herabfällt.

2. Der Frachtführer / Fahrer:Er trägt die Verantwortung für die betriebssichere Verladung. Er muss prüfen, ob die Heckbeladung (sofern möglich) oder die seitliche Beladung die Fahrsicherheit beeinträchtigt und ob die Sicherungsmittel (Gurte, Ketten, Antirutschmatten) intakt sind.

3. Der Verlader:Im Sinne der Halterhaftung muss auch das Unternehmen, das die Beladung durchführt oder anordnet, sicherstellen, dass das eingesetzte Personal über die notwendige Sachkunde verfügt.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Sicherung und Überwachung

Im Jahr 2026 wird die Sicherheit offener Ladungen durch digitale Assistenzsysteme massiv erhöht:

  • Smart Straps: Spanngurte sind 2026 mit Sensoren ausgestattet, die die Vorspannkraft permanent messen. Fällt die Spannung unter einen kritischen Wert, erhält der Fahrer sofort eine Warnung auf sein Transport Management System (TMS).
  • KI-Beladungskontrolle: Kamerasysteme scannen die offene Ladefläche nach dem Beladevorgang und gleichen die Sicherungspunkte mit den Vorgaben der Transportplanung ab.
  • Elektronische Dokumentation: Die ordnungsgemäße Sicherung wird mittels Fotos direkt im eCMR dokumentiert, was bei Kontrollen durch die Behörden die Rechtssicherheit erhöht.
  • Middleware-Lösungen: Software wie GM-DocuStream integriert Beladeanweisungen und Zertifikate zur Ladungssicherung direkt in die Versandpapiere, sodass alle Beteiligten der Supply Chain Zugriff auf die notwendigen Sicherheitsvorgaben haben.

Experten-Tipp: Nutzen Sie bei offenen Ladungen grundsätzlich zertifizierte Antirutschmatten. Diese erhöhen den Reibbeiwert so stark, dass die Anzahl der benötigten Spanngurte drastisch reduziert werden kann, was die Be- und Entladezeiten um bis zu 20 % verkürzt.

Fazit

Offene Ladungen erfordern aufgrund ihrer Exponiertheit ein Höchstmaß an Sorgfalt und Fachwissen. Im Jahr 2026 sorgen intelligente Sensortechnik und eine lückenlose digitale Dokumentation dafür, dass die Risiken minimiert werden. Eine professionelle Ladungssicherung ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern ein wesentlicher Beitrag zur Logistikqualität und zum Schutz von Menschenleben auf den Verkehrswegen.

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