Logistik lexikon

Kabotage: Definition, Regeln & Gesetze im Transport

Fachartikel: Kabotage – Regeln für ausländische Frachtführer im Binnenmarkt

In der Logistik beschreibt der Begriff Kabotage das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein Unternehmen, das seinen Sitz in einem anderen Land hat. Ein klassisches Beispiel: Eine polnische Spedition transportiert Güter von Berlin nach München. Da dieser Transport rein innerhalb Deutschlands stattfindet, handelt es sich um Kabotage. Um den heimischen Markt vor unfairem Wettbewerb durch niedrigere Lohnkosten im Ausland zu schützen und gleichzeitig den EU-Binnenmarkt zu öffnen, unterliegt die Kabotage strengen gesetzlichen Regelungen, die im Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) und auf EU-Ebene festgelegt sind.

Funktionsweise & Details: Die „3-in-7“-Regel

Innerhalb der Europäischen Union ist die Kabotage nicht unbegrenzt erlaubt. Die wichtigste Regelung besagt, dass ausländische Frachtführer nach einer grenzüberschreitenden Lieferung (einem internationalen Hauptlauf) weitere Transporte im Aufnahmeland durchführen dürfen – jedoch unter klaren Bedingungen.

Die geltenden EU-Vorschriften

  • Die 3-in-7-Regel: Nach der vollständigen Entladung einer grenzüberschreitenden Fahrt dürfen innerhalb von sieben Tagen maximal drei Kabotage-Beförderungen durchgeführt werden.
  • Voraussetzung: Der Frachtführer muss Inhaber einer gültigen EU-Lizenz sein.
  • Dokumentationspflicht: Für jede Fahrt müssen Nachweise (Frachtbriefe) mitgeführt werden, die belegen, wann die grenzüberschreitende Fahrt endete und welche Kabotage-Fahrten danach erfolgten.
  • Cooling-off-Phase: Seit dem EU-Mobilitätspaket 2022 gibt es eine viertägige Wartezeit. Nach der letzten Kabotage-Fahrt darf das Fahrzeug in demselben Land für vier Tage keine weiteren Kabotage-Aufträge mehr ausführen.

[Image: A map of Europe showing a truck driving from France to Germany (International), followed by three internal German trips (Cabotage), with a clock icon symbolizing the 7-day limit]

Praxis-Relevanz: Warum Kabotage-Regeln für Speditionen kritisch sind

Die Einhaltung der Kabotage-Regeln wird in Deutschland streng durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM, ehemals BAG) kontrolliert. Verstöße können extrem teuer werden.

Die zentralen Herausforderungen

  • Hohe Bußgelder: Bei Missachtung der Fristen oder fehlender Dokumentation drohen sowohl dem Frachtführer als auch dem Auftraggeber empfindliche Strafen.
  • Halterhaftung: Auch der Verlader kann in die Pflicht genommen werden, wenn er wissentlich Kabotage-Verstöße billigt.
  • Kapazitätsplanung: Disponenten müssen genau kalkulieren, ob ein Fahrzeug noch freie Kabotage-Kontingente hat, um Bußgelder zu vermeiden und die Flotte effizient auszulasten.

Rolle der Digitalisierung

Moderne Transport Management Systeme (TMS) helfen Unternehmen dabei, Kabotage-Fahrten automatisch zu überwachen. Durch die Integration von Telematik-Daten und digitalen Frachtbriefen kann das System den Disponenten warnen, wenn die 7-Tage-Frist abläuft oder die maximale Anzahl an Fahrten erreicht ist. Dies sorgt für Rechtssicherheit in der gesamten Transportkette.

Fazit

Die Kabotage ist ein notwendiges Instrument zur Flexibilisierung des europäischen Marktes, erfordert aber eine präzise administrative Überwachung. Sie ermöglicht es ausländischen Unternehmen, Leerfahrten zu reduzieren, schützt aber gleichzeitig die lokalen Märkte vor einer Überflutung durch Billiganbieter. Für Logistikunternehmen ist die exakte Kenntnis der aktuellen Gesetzeslage und die saubere Dokumentation via EDI oder digitalem Archiv der einzige Weg, um die Vorteile der Kabotage ohne rechtliche Risiken zu nutzen.

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