In der Logistik beschreibt der Begriff Kabotage das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein Unternehmen, das seinen Sitz in einem anderen Land hat. Ein klassisches Beispiel: Eine polnische Spedition transportiert Güter von Berlin nach München. Da dieser Transport rein innerhalb Deutschlands stattfindet, handelt es sich um Kabotage. Um den heimischen Markt vor unfairem Wettbewerb durch niedrigere Lohnkosten im Ausland zu schützen und gleichzeitig den EU-Binnenmarkt zu öffnen, unterliegt die Kabotage strengen gesetzlichen Regelungen, die im Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) und auf EU-Ebene festgelegt sind.
Innerhalb der Europäischen Union ist die Kabotage nicht unbegrenzt erlaubt. Die wichtigste Regelung besagt, dass ausländische Frachtführer nach einer grenzüberschreitenden Lieferung (einem internationalen Hauptlauf) weitere Transporte im Aufnahmeland durchführen dürfen – jedoch unter klaren Bedingungen.
[Image: A map of Europe showing a truck driving from France to Germany (International), followed by three internal German trips (Cabotage), with a clock icon symbolizing the 7-day limit]
Die Einhaltung der Kabotage-Regeln wird in Deutschland streng durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM, ehemals BAG) kontrolliert. Verstöße können extrem teuer werden.
Moderne Transport Management Systeme (TMS) helfen Unternehmen dabei, Kabotage-Fahrten automatisch zu überwachen. Durch die Integration von Telematik-Daten und digitalen Frachtbriefen kann das System den Disponenten warnen, wenn die 7-Tage-Frist abläuft oder die maximale Anzahl an Fahrten erreicht ist. Dies sorgt für Rechtssicherheit in der gesamten Transportkette.
Die Kabotage ist ein notwendiges Instrument zur Flexibilisierung des europäischen Marktes, erfordert aber eine präzise administrative Überwachung. Sie ermöglicht es ausländischen Unternehmen, Leerfahrten zu reduzieren, schützt aber gleichzeitig die lokalen Märkte vor einer Überflutung durch Billiganbieter. Für Logistikunternehmen ist die exakte Kenntnis der aktuellen Gesetzeslage und die saubere Dokumentation via EDI oder digitalem Archiv der einzige Weg, um die Vorteile der Kabotage ohne rechtliche Risiken zu nutzen.