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Kapazitätsplanung: Methoden, Kennzahlen & Strategien

Fachartikel: Kapazitätsplanung – Die Balance zwischen Auslastung und Lieferbereitschaft

Die Kapazitätsplanung (Capacity Planning) ist der Prozess der Bestimmung und Abstimmung der benötigten Ressourcen (Personal, Fuhrpark, Lagerfläche), um die aktuelle und zukünftige Nachfrage im Supply Chain Management zu decken. Ziel ist es, Engpässe zu vermeiden und gleichzeitig die Kosten durch Unterauslastung zu minimieren. In der Logistikkette des Jahres 2026 ist eine dynamische Kapazitätsplanung der entscheidende Faktor für die Resilienz gegenüber Marktschwankungen.

Zentrale Methoden der Kapazitätsplanung

Je nach Planungshorizont kommen in der Transportplanung unterschiedliche Methoden zum Einsatz:

1. Strategische Kapazitätsplanung (Langfristig)Hierbei geht es um grundsätzliche Investitionen, wie den Bau neuer Lagerstandorte mit Hochregaltechnik oder die langfristige Dimensionierung der Lkw-Flotte.

2. Taktische Planung (Mittelfristig)Abstimmung der Kapazitäten auf saisonale Schwankungen (z. B. Weihnachtsgeschäft). Instrumente sind hier der Einsatz von Leihpersonal oder die kurzfristige Anmietung von Laderaum über eine Internet-Frachtenbörse.

3. Operative Kapazitätsplanung (Kurzfristig)Die taggenaue Zuweisung von Ressourcen zu Aufträgen. Dies beinhaltet die Schichtplanung im Lager oder die Zuteilung von Fahrzeugen für die Heckbeladung basierend auf dem aktuellen Sendungsvolumen.

Wichtige Kennzahlen (KPIs)

Um den Erfolg der Planung messbar zu machen, nutzt das Management im Jahr 2026 spezifische Kennzahlen:

  • Kapazitätsauslastungsgrad: Das Verhältnis von tatsächlich genutzter Kapazität zur maximal verfügbaren Kapazität.
  • Durchlaufzeit: Die Zeit, die ein Auftrag vom Eingang bis zum Warenausgang benötigt. Eine steigende Durchlaufzeit deutet oft auf Kapazitätsengpässe hin.
  • Lieferbereitschaftsgrad: Prozentsatz der Aufträge, die sofort aus dem verfügbaren Bestand oder mit dem vorhandenen Fuhrpark bedient werden können.
  • Überstundenquote: Ein Indikator für eine dauerhafte Überlastung der personellen Kapazitäten.

Praxis-Relevanz 2026: Dynamik und KI-Unterstützung

Im Jahr 2026 hat sich die Kapazitätsplanung von statischen Excel-Listen zu hochdynamischen Systemen entwickelt:

  • Predictive Capacity Planning: KI-Algorithmen analysieren 2026 globale Marktdaten, Wetter und Verkehrsströme, um Kapazitätsbedarfe vorherzusagen, bevor sie entstehen.
  • Digital Twin der Supply Chain: Simulationen ermöglichen es 2026, "Was-wäre-wenn"-Szenarien durchzuspielen (z. B. Ausfall eines Hafens), um die Kapazitäten sofort anzupassen.
  • Automatisierte Skalierung: Durch den Einsatz von Industrie 4.0 (z. B. fahrerlose Transportsysteme) können Lagerkapazitäten 2026 schneller skaliert werden als durch reine Personaleinstellung.
  • Green Capacity Management: Die Planung berücksichtigt 2026 auch CO2-Budgets. Transporte werden so konsolidiert, dass die maximale Kapazität bei geringstem ökologischen Fußabdruck genutzt wird (Green Logistics).

Experten-Tipp: Planen Sie niemals auf 100 % Auslastung. Ein Puffer von 10–15 % ist in der Logistik essenziell, um auf unvorhersehbare Störungen in der Logistikkette reagieren zu können, ohne dass die Liefertermine gefährdet werden.

Fazit

Die Kapazitätsplanung ist das Herzstück einer wirtschaftlichen Logistik. Im Jahr 2026 sichert sie nicht nur die Wirtschaftlichkeit durch optimale Ressourcennutzung, sondern ist durch den Einsatz von KI und Echtzeitdaten das wichtigste Instrument für eine agile und kundenorientierte Supply Chain.

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