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Karusselllager: Funktionsweise, Typen & Vorteile in der Logistik

Fachartikel: Karusselllager – Effizienz durch Rotation

Ein Karusselllager ist ein dynamisches Lagersystem, das auf dem Ware-zum-Mensch-Prinzip basiert. Dabei bewegen sich die Lagerplätze (Tragsätze oder Tablare) auf einer geschlossenen Bahn kreisförmig zum Bediener, anstatt dass der Mitarbeiter zum Lagerplatz laufen muss. In der Intralogistik des Jahres 2026 ist das Karusselllager eine Schlüsseltechnologie, um die Kommissioniergeschwindigkeit bei kleinteiligen Sortimenten massiv zu erhöhen.

Funktionsweise und Systemtypen

Das Karusselllager nutzt die gesamte verfügbare Raumhöhe oder -tiefe optimal aus. Man unterscheidet zwei grundlegende Bauformen:

1. Vertikalkarussell (Paternoster)Die Lagerfächer rotieren wie bei einem Paternoster-Aufzug vertikal. Es eignet sich besonders für die Lagerung von Kleinteilen bei geringer Grundfläche, da es die Deckenhöhe des Lagers bis zum Maximum nutzt.

2. HorizontalkarussellHier rotieren die Regalsäulen horizontal auf einer ovalen Schienenbahn. Mehrere Karussells werden oft zu einem "Pod" zusammengeschaltet, sodass ein Mitarbeiter an einer Entnahmestation mehrere Maschinen gleichzeitig bedienen kann. Während eine Maschine rotiert, entnimmt der Werker Ware aus einer anderen.

Vorteile für das Supply Chain Management

Der Einsatz von Karusselllagern bietet in der modernen Logistikkette entscheidende Vorzüge:

  • Hohe Kommissionierleistung: Da die Such- und Wegezeiten entfallen, können im Vergleich zu statischen Regalsystemen bis zu 400 % höhere Pickraten erzielt werden.
  • Platzersparnis: Durch die kompakte Bauweise und den Wegfall von Arbeitsgängen zwischen den Regalen wird die Lagerdichte enorm gesteigert.
  • Ergonomie und Sicherheit: Die Entnahme erfolgt immer in einer ergonomisch optimalen Höhe. Dies schont das Personal und reduziert krankheitsbedingte Ausfälle.
  • Bestandssicherheit: Das System kann komplett geschlossen (eingehaust) werden, was die Ware vor Staub, Licht und unbefugtem Zugriff schützt.

Integration und Steuerung

Damit ein Karusselllager seine volle Leistung entfaltet, ist eine tiefe Integration in die IT-Landschaft erforderlich:

  • Pick-to-Light: Digitale Anzeigen am Entnahmeplatz zeigen dem Mitarbeiter 2026 exakt an, welche Menge aus welchem Fach zu entnehmen ist.
  • WMS-Anbindung: Das Warehouse Management System steuert die Rotation so, dass die Wartezeiten minimiert werden (Batch-Kommissionierung).
  • Identifizierungssysteme: Barcodes oder RFID-Tags an den Behältern stellen 2026 sicher, dass immer das richtige Teil entnommen wird.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Rotation

Im Jahr 2026 hat sich das Karusselllager technologisch weiterentwickelt:

  • KI-optimierte Vorpositionierung: Das System analysiert 2026 Auftragseingänge und positioniert Schnelldreher bereits vor Schichtbeginn oder während Pausenzeiten nahe an der Entnahmestation.
  • Hybrid-Systeme: Karusselllager werden zunehmend mit Roboterarmen kombiniert, die die Entnahme vollautomatisch durchführen, was den Personalbedarf in der Supply Chain weiter senkt.
  • Energetische Optimierung: Moderne Antriebe gewinnen 2026 beim Abbremsen der schweren Regalsäulen Energie zurück (Rekuperation), was die Betriebskosten im Sinne der Green Logistics senkt.

Experten-Tipp: Achten Sie bei der Planung auf die Gewichtsverteilung. Karusselllager reagieren empfindlich auf extreme Unwuchten. Eine intelligente Software sollte die Einlagerung so steuern, dass die Lasten innerhalb des Umlaufs gleichmäßig verteilt sind.

Fazit

Das Karusselllager ist ein Klassiker der automatisierten Lagertechnik, der auch im Jahr 2026 durch moderne Steuerungstechnik und KI-Anbindung aktueller denn je ist. Es ermöglicht eine hochverdichtete Lagerung und extrem schnelle Zugriffszeiten, was es zum idealen System für E-Commerce, Ersatzteillogistik und die Pharmabranche macht.

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