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Kitting: Definition, Ablauf & Vorteile in Lager und Produktion

Fachartikel: Kitting – Effizienz durch vorkonfektionierte Materialbereitstellung

Unter Kitting versteht man den logistischen Prozess, bei dem einzelne Komponenten, Bauteile oder Produkte zu einer neuen Einheit – dem sogenannten „Kit“ oder Bausatz – zusammengestellt werden. Statt die Teile einzeln an die Montagelinie oder den Endkunden zu liefern, werden sie in einem Behälter oder einer Verpackung vorkonfektioniert. In der Logistikkette des Jahres 2026 ist Kitting ein entscheidendes Instrument, um die Komplexität in der Produktion zu reduzieren und die Durchlaufzeiten im Supply Chain Management zu optimieren.

Der Kitting-Prozess im Detail

Der Ablauf findet meist in einem spezialisierten Bereich des Lagers oder in einer kundennahen Logistikzone statt:

  • Bedarfsermittlung: Basierend auf dem Produktionsplan oder Kundenauftrag wird die Stückliste (Bill of Materials) für das Kit erstellt.
  • Kommissionierung: Die Einzelteile werden aus verschiedenen Lagerbereichen, oft unter Einsatz von Hochregaltechnik, entnommen.
  • Zusammenstellung (Assembly): Die Teile werden in einem Kit-Behälter (Kitting Bin) angeordnet. Dabei wird oft auf eine ergonomische Anordnung geachtet, die den späteren Verbau erleichtert.
  • Prüfung und Kennzeichnung: Mittels Identifizierungssystemen (Barcode/RFID) wird die Vollständigkeit des Kits geprüft und eine neue Kit-ID vergeben.
  • Bereitstellung: Das fertige Kit wird nach dem Hol-Prinzip Just-in-Time an den Verbauort geliefert.

Einsatzbereiche und Vorteile

Kitting bietet in der Intralogistik und Produktion signifikante strategische Vorzüge:

1. Entlastung der ProduktionDie Monteure müssen nicht mehr nach Einzelteilen suchen oder Verpackungen entsorgen. Sie erhalten genau das Material, das sie für einen spezifischen Arbeitsschritt benötigen. Dies ist besonders bei der Variantenfertigung (Losgröße 1) im Jahr 2026 essenziell.

2. Flächenersparnis am MontagebandDa keine sperrigen Originalgebinde der Zulieferer direkt am Band stehen, wird der Platzbedarf in der Produktion drastisch reduziert.

3. QualitätssteigerungDurch die Vorprüfung im Kitting-Bereich wird sichergestellt, dass keine Fehlteile an das Band gelangen. Ein leeres Fach im Kit-Behälter dient als visuelle Kontrolle für den Monteur.

4. BestandsgenauigkeitKitting ermöglicht eine präzise Verbrauchssteuerung. Die Abbuchung im ERP-System erfolgt oft erst mit der Fertigstellung des Kits, was die Transparenz in der Supply Chain erhöht.

Praxis-Relevanz 2026: Smart Kitting und Robotik

Im Jahr 2026 hat sich das Kitting technologisch massiv weiterentwickelt:

  • Autonome Kitting-Roboter: Kollaborative Roboter (Cobots) übernehmen 2026 das Greifen von Kleinteilen und stellen Kits vollautomatisch zusammen, während der Mensch nur noch die Endkontrolle durchführt.
  • Pick-by-Projection: Augmented Reality oder Lichtprojektionen leiten die Mitarbeiter 2026 an, welche Teile in welcher Reihenfolge in das Kit gelegt werden müssen (Error Proofing).
  • Vernetzte Kit-Behälter: Intelligente Behälter mit integrierten Waagen oder Sensoren melden 2026 automatisch an das WMS, wenn ein Teil entnommen wurde oder ein Kit unvollständig ist.

Experten-Tipp: Prüfen Sie genau, an welchem Punkt der Logistikkette das Kitting stattfinden soll. Ein "Late Stage Kitting" beim Logistikdienstleister kann Transportkosten sparen, da Komponenten in effizienten Großgebinden angeliefert und erst kurz vor dem Versand oder Verbau individualisiert werden.

Fazit

Kitting ist weit mehr als einfaches Umpacken. Es ist eine wertschöpfende Logistikdienstleistung, die die Effizienz der Produktion und die Flexibilität des Supply Chain Managements im Jahr 2026 maßgeblich bestimmt. Durch die Auslagerung der Such- und Sortierprozesse aus der Montage in die Logistik schaffen Unternehmen die Basis für hochdynamische Fertigungsprozesse.

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