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Kommissioniertechnik: Systeme, Methoden & Auswahlkriterien

Fachartikel: Kommissioniertechnik – Effizienz an der Schnittstelle zum Kunden

Die Kommissioniertechnik umfasst alle technischen Systeme und organisatorischen Methoden, die eingesetzt werden, um Teilmengen aus einem Gesamtsortiment basierend auf Kundenaufträgen zusammenzustellen. Da die Kommissionierung oft bis zu 50 % der gesamten Lagerbetriebskosten verursacht, ist sie das Herzstück der Intralogistik. Im Jahr 2026 ist die Kommissioniertechnik geprägt von der engen Verzahnung zwischen Mensch, Maschine und künstlicher Intelligenz innerhalb der Logistikkette.

Einteilung der Kommissioniersysteme

Man unterscheidet grundlegend nach der Art der Bereitstellung der Ware:

1. Person-zur-Ware (Statisch)Der Mitarbeiter bewegt sich zum Lagerplatz (z. B. im Fachbodenregal oder in der Hochregaltechnik).

  • Technik: Beleglose Systeme wie Pick-by-Voice oder Pick-by-Watch.
  • Einsatz: Große Sortimente, geringe bis mittlere Pick-Frequenz.

2. Ware-zur-Person (Dynamisch)Die Ware wird durch automatische Fördertechnik, Shuttles oder Karusselllager direkt zum festen Arbeitsplatz des Kommissionierers transportiert.

  • Technik: Hochgeschwindigkeits-Shuttle-Systeme, automatische Kleinteilelager (AKL).
  • Einsatz: Hohe Pick-Leistung, begrenzte Artikelanzahl, ergonomische Anforderungen.

Moderne Kommissioniertechnologien 2026

Zur Fehlervermeidung und Beschleunigung kommen im Supply Chain Management heute spezialisierte Systeme zum Einsatz:

  • Pick-by-Light / Put-to-Light: Digitale Anzeigen am Lagerplatz signalisieren die Entnahmemenge.
  • Pick-by-Voice: Die Kommunikation erfolgt über ein Headset per Spracheingabe, wodurch der Mitarbeiter beide Hände frei hat.
  • Pick-by-Vision: Augmented-Reality-Brillen blenden Informationen zum Lagerplatz und zur Menge direkt in das Sichtfeld des Kommissionierers ein.
  • Roboter-Kommissionierung: Autonome Greifarme übernehmen 2026 zunehmend das „Piece Picking“ von Kleinteilen, koordiniert durch KI-Bildverarbeitung.

Zentrale Auswahlkriterien für die Praxis

Die Wahl der richtigen Kommissioniertechnik hängt von den spezifischen Anforderungen der Transportplanung und Lagerstruktur ab:

  • Artikelspektrum: Größe, Gewicht und Empfindlichkeit der Ware (z. B. spezielle Anforderungen im Frigotransport).
  • Auftragsstruktur: Anzahl der Positionen pro Auftrag und die geforderte Durchlaufzeit.
  • Pick-Leistung: Wie viele Picks pro Stunde müssen erreicht werden, um die Logistikkette stabil zu halten?
  • Fehlertoleranz: Wie kritisch sind Fehllieferungen? (Bei Medikamenten oder Gefahrgut nach GGVS ist eine Null-Fehler-Quote zwingend).
  • Ergonomie: Belastung des Personals durch Wegezeiten und Gewichte.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Orchestrierung

Im Jahr 2026 ist die Kommissioniertechnik voll vernetzt:

  • KI-Routenoptimierung: Das Warehouse Management System (WMS) berechnet 2026 in Echtzeit die effizientesten Wege für Mensch und Roboter, um Staus in den Gängen zu vermeiden.
  • Kollaborative Robotik (Cobots): Mobile Roboter begleiten den Kommissionierer und übernehmen den Transport der vollen Behälter, während der Mensch sich auf das Greifen konzentriert.
  • Predictive Picking: Das System erkennt 2026 Bestellmuster und lagert Waren bereits in die Nähe der Kommissionierzonen um, bevor der eigentliche Auftrag eingeht (Hol-Prinzip).

Experten-Tipp: Setzen Sie auf hybride Systeme. Oft ist eine Kombination aus manueller Kommissionierung für Langsamdreher und hochautomatisierter Technik für Schnelldreher wirtschaftlich am sinnvollsten.

Fazit

Die Kommissioniertechnik ist der entscheidende Hebel für die Schnelligkeit und Qualität Ihrer Supply Chain. Im Jahr 2026 ermöglichen digitale Assistenzsysteme und Robotik eine bisher ungekannte Skalierbarkeit. Unternehmen, die ihre Technik exakt auf ihre Kennzahlen abstimmen, senken nicht nur ihre Kosten, sondern steigern nachhaltig ihre Liefertreue und Wettbewerbsfähigkeit.

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